Archiv der Kategorie: Pressespiegel

Warum Energiesparen auch teuer ist?

Weil einige europäische Unternehmer nach wie vor damit durchkommen, sich mit Hilfe der Europäischen Union eine Extrawurst in Sachen internationaler Wettbewerb braten zu lassen. So hat der größte europäische Hersteller von Energiesparlampen es über die Jahre geschafft, sich mittels eines EU-Strafzolls unliebsame Konkurrenz aus Fernost vom Hals zu schaffen. Erst jetzt, nachdem dieser volkswirtschaftliche Unsinn bei steigenden Energiepreisen auch dem letzten Politiker, Konkurrenten und Umweltaktivisten absurd erscheint, sind die Tage dieser Handelsbarriere gezählt.

Doch statt dieses Resultat als Triumph des freien Handels zu würdigen lauern bereits die Wehklagen über einzelwirtschaftliche Folgen zwischen den Zeilen der Berichterstattung. Schon wird geunkt, wie viele Arbeitsplätze diesmal der Globalisierung zum Opfer fallen. Kein Kommentator kam in den vergangenen Jahren auf die Idee sich über die Nachteile des Strafzolls für weniger betuchte asiatische Arbeiter und deren  vertane Chancen aufzuregen. Zumal die von  Arbeitern aus Fernost produzierten Energiesparlampen gegen andere in Europa produzierte Güter eingetauscht worden wären, die man will es kaum glauben, von europäischen Arbeitern produziert worden wären. Auch wurden wenige Worte darüber verloren, dass europäische Konsumenten mit billigeren Energiesparlampen nicht nur Strom, sondern auch einen Teil des überteuerten Verkaufspreises gespart hätten, der dann in Form anderer Konsum- oder Investitionsgüter auch in Europa Arbeitsplätze und Einkommen geschaffen hätte. Diejenigen, die möglicherweise in den kommenden Monaten aufgrund der Reaktion europäischer Lampenhersteller auf die neue Wettbewerbssituation ihren Job verlieren, hätten ohne den Strafzoll der EU schon lange einen neuen, besseren, weil produktiveren Arbeitsplatz gefunden. Zu schade nur, dass Politiker und oft auch Journalisten nicht nur mit Scheuklappen zur Welt kommen, sondern es sich auch immer noch leisten können mit ihnen durch die Welt zu stapfen.

Lesetipp: Frederic Bastiat: Die Petition der Kerzenmacher; Russell Roberts: The Choice: A Fable of Free Trade and Protectionism

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Gewußt wie…

…spart Energie! Das haben sich die Behörden des US-Bundesstaats Utah zu Herzen genommen und für ihre Beamten zum Energie sparen einen Arbeitstag gestrichen. Man kann nur hoffen, dass dieser Plan auch sonst den behördlichen Arbeitseifer etwas reduziert und somit weitere Gratiseffekte für die Bürger abwirft. Denn wenn die Beamten an vier Tagen pro Woche statt acht nun zehn Stunden arbeiten müssen, dürfte die Konzentrationsfähigkeit auf die Regulierung der Bürger zumindest zum Tagesende etwas nachlassen.

Econ 101 für G8-Finanzminister

Auf einem Finanzministertreffen der G8-Staaten soll nach Angaben der Tagesschau die Rolle der Spekulanten bei der Preisexplosion für Erdöl und Lebensmittel geklärt werden. Dafür ist es jedoch nicht nötig, dass hochrangige Regierungsbeamte mit einem Flug nach Osaka die preistreibende Nachfrage nach Erdöl auf Kosten der Steuerzahler noch weiter erhöhen. Ein Blick ins Internet genügt. So erklärt der amerikanische Ökonom David D. Friedman in seinem Online-Lehrbuch „Price Theory“ das Thema Spekulation, wobei er auch auf die Frage nach der ebenso intuitiven wie fatalen Abneigung gegen Spekulanten eingeht:

How Speculation Works

A speculator buys things when he thinks they are cheap and sells them when he thinks they are expensive. Imagine, for example, that you decide there is going to be a bad harvest this year. If you are right, the price of grain will go up. So you buy grain now, while it is still cheap. If you are right, the harvest is bad, the price of grain goes up, and you sell at a large profit.

There are several reasons why this particular way of making a profit gets so much bad press. For one thing, the speculator is, in this case at least, profiting by other people’s bad fortune, making money from, in Kipling’s phrase, „Man’s belly pinch and need.“ Of course, the same might be said of farmers, who are usually considered good guys. For another, the speculator’s purchase of grain tends to drive up the price, making it seem as if he is responsible for the scarcity.

But in order to make money, the speculator must sell as well as buy. If he buys when grain is plentiful, he does indeed tend to increase the price then; but if he sells when it is scarce (which is what he wants to do in order to make money), he increases the supply and decreases the price just when the additional grain is most useful.

A different way of putting it is to say that the speculator, acting for his own selfish motives, does almost exactly what a benevolent despot would do. When he foresees a future scarcity of wheat, he induces consumers to use less wheat now. The speculator gets consumers to use less wheat now by buying it (before the consumers themselves realize the harvest is going to be bad), driving up the price; the higher price encourages consumers to consume less food (by slaughtering meat animals early, for example, to save their feed for human consumption), to import food from abroad, to produce other kinds of food (go fishing, dry fruit, . . .), and in other ways to prepare for the anticipated shortage. He then stores the wheat and distributes it (for a price) at the peak of the famine. Not only does he not cause famines, he prevents them.

More generally, speculators (in many things, not just food) tend, if successful, to smooth out price movements, buying goods when they are below their long-run price and selling them when they are above it, raising the price towards equilibrium in the one case and lowering it towards equilibrium in the other. They do what governmental „price-stabilization“ schemes claim to do–reduce short-run fluctuations in prices. In the process, they frequently interfere with such price-stabilization schemes, most of which are run by producing countries and designed to „stabilize“ prices as high as possible. Weiterlesen

Im Land der Zwerge

Der amerikanische politische Satiriker und Journalist P. J. O’Rourke erklärt uns Europäern in einem Offenen Brief den amerikanischen Wahlkampf und findet dabei recht treffende Worte für seine Hauptdarsteller:

Think of America’s politicians as the Seven Dwarves. They’re all short — short on ethics, short on experience, short on common sense, short on something. But we keep thinking that one of these dwarves is going to save our snow white butt.

Übrigens, wer es bis heute noch nicht geschafft hat sich persönlich durch Adam Smith’s „Der Wohlstand der Nationen“ durchzukämpfen, dem sei die jetzt auch in deutsch erschienene Zusammenfassung von P. J. O’Rourke wärmstens empfohlen. Was habe ich gelacht…

Fakten-Check

Die Tagesschau konstatiert:

Die US-Arbeitsmarktstatistik zeigt: Die Banken- und Finanzmarktkrise ist längst eine Krise der gesamten amerikanischen Wirtschaft. Neue Arbeitsplätze gibt es nur noch im öffentlichen Dienst, die Privatwirtschaft baut Stellen ab, die Arbeitslosenquote liegt mit fünf Prozent auf einem Rekordhoch.

Eigenartig? Das US-Bureau of Labour Statistics meldet am 10. Januar 2008, dass im vergangenen November (2007) landesweit 4,02 Millionen saisonbereinigte offene Stellen gemeldet waren (Nov. 2006: 4,2 Mill.), davon rund 3,6 Millionen in der Privatwirtschaft und knapp eine halbe Million beim Staat. Entlassen wurden im selben Monat insgesamt 2,5 Millionen Menschen davon 145000 im öffentlichen Dienst. Aber auch bei den nicht saisonbereinigten Daten liegt die Anzahl der Jobangebote über den Entlassungen. Wenn es darum geht in den USA eine Wirtschaftskrise herbeizureden, ist der deutschen Presse hinsichtlich der Datenrecherche offenbar keine Unterlassungssünde zu plump.

Wohlstand neu verteilt?

Ein Kommentar in der Süddeutschen Zeitung vom Wochenende porträtiert die Globalisierung als Nullsummenspiel und fehlinterpretiert nachfragegetriebene Energiepreiserhöhungen als Wohlstandsumverteilung zwischen Volkswirtschaften. Hier nur ein paar Beispiele für diese holprige Argumentation:
Dazu trägt eine massive Umverteilung von Wohlstand auf dem Globus bei, die ihren Grund in den drastisch steigenden Öl- und Rohstoffpreisen hat. Deutschland muss immer mehr Geld ins Ausland überweisen, um seine Exportwirtschaft in Gang zu halten. Kaum ein Tag vergeht ohne eine Nachricht, wonach die rasant steigende globale Nachfrage nach Rohöl, Kupfer, Stahl oder Lebensmitteln die Weltmarktpreise für diese Produkte in die Höhe treibt. China, Indien oder Brasilien, aber auch Öl- und Gaslieferländer wie Russland machen uns jeden Tag deutlich, dass sie Ansprüche auf Reichtum anmelden und dass die etablierten Industrienationen ihren Wohlstand mit ihnen werden teilen müssen.
Nun, das wirtschaftliche Wachstum in der Vergangenheit dürfte gezeigt haben, dass wir es bei der Weltwirtschaft nicht mit einem fertig gebackenen Güterkuchen zu tun haben, der einfach umverteilt wird. Nein, der Kuchen wächst, weil die Wirtschaft immer neue Wege findet aus den bestehenden Ressourcen nutzbare Güter herzustellen. Wenn Länder wie China die Öl- und Gaspreise hochtreiben, heißt das nichts anderes, als dass sie mit den Energieträgern eine Menge nützliche Produkte herstellen können, die wir ihnen offenbar dankbar abkaufen. Den Reichtum bekommen sie nur, weil sie mit uns tauschen und wir – das liegt in der Natur des Tauschs – deshalb auch reicher werden.
Da auch Gas und andere Rohstoffe drastisch teurer werden, verlieren die Volkswirtschaften der westlichen Welt jedes Jahr namhafte Beträge, die an anderen Stellen der Welt zu gigantischem Reichtum führen.
Dass die westlichen Volkswirtschaften die hohen Energiepreise zahlen, drückt doch letztlich nur aus, wie wertvoll die damit von ihnen produzierten Güter sind. Sonst würde man ganz auf ihren Erwerb verzichten. Auch fragt man sich, wo das Problem des gigantischen Reichtums an anderen Stellen der Welt liegen soll. Bekanntlich erhalten die Verkäufer von Öl, Gas und anderen Rohstoffen von uns Zahlungsmittel, die sie letztendlich bei uns auch wieder in Güterkäufen und Kapital anlegen. Doch auch das lehrt dem Autoren das Fürchten:
Inzwischen werden die Öl- und Rohstoffdollars besser verwendet. Sie werden in der ganzen Welt investiert und kehren als Beteiligungen reicher Regierungen oder aufstrebender Unternehmen aus Schwellenländern in die alten Wirtschaftsnationen zurück, wo sie sich in Industrieunternehmen oder Banken einkaufen. Das geschieht auch in Deutschland, wo es große Angst vor diesen ausländischen Investoren gibt. Die Entwicklung ist aber kaum aufzuhalten, auch nicht mit den Mitteln der Politik. Deutschland ist auf Importe von Energie und Rohstoffen angewiesen und wird es noch lange bleiben. Der Preis, der dafür zu entrichten ist, die deutsche Exportwirtschaft in Gang zu halten und Arbeitsplätze zu sichern, ist aber hoch.
Worauf er dem Chefvolkswirt der Deutschen Bank Norbert Walter auch noch das eigentümliche Zitat zuschreibt, dass durch Direktinvestitionen in Deutschland „europäischer Humanismus und Sozialstaatlichkeit in höchster Gefahr sind“. Einen derartigen hanebüchenen Unsinn aus dem Mund eines Bankenvolkswirts kann man eigentlich kaum glauben, zumal vom Textautor keine Quelle genannt wird.
Es ist schon erstaunlich, wie es Wirtschaftsjournalisten mit einem derartigen Kauderwelsch zu Meinungsmachern bringen. Manchmal fragt man sich auch, wieso sich der Wirtschaftsteil einer Tageszeitung so leicht mit ein paar Fachfloskeln, etwas ökonomischer Begriffsstutzigkeit und einer Prise Ideologie füllen lässt.