Archiv der Kategorie: Energiepolitik

IUF-Veranstaltung zur Energieeffizienz

Angesichts stark gestiegner Energiepreise stellt sich die Frage wohin uns diese Entwicklung führen wird. Die so genannte zweite Miete droht die Kaltmiete zu überholen, aber ungeachtet ob Mieter oder Eigentümer, alle müssen im Winter heizen. Allein schon aus Gründen der Vernunft und Ökonomie ist es geboten, nach Wegen zu suchen, dieser Entwicklung gegenzusteuern, denn Einsparpotenziale sind vorhanden.

Gesetze und Verordnungen regeln Standards, die auf eine Erhöhung der Energieeffizienz abzielen. Auf welchen Grundlagen beruhen diese Regularien? Sind die apokalyptischen Prognosen in den Medien ernster zu nehmen als Erfolgsmeldungen der Bundesregierung? Gerade wer sein eigenes Geld ausgibt, schaut auf das Verhältnis von Aufwand und Nutzen. Wie hoch sind die Einsparpotenziale anzusetzen, was wurde in den letzten Jahren erreicht?

Den Haushalten wird suggeriert, als Sektor einer der größten Energieverbraucher in Deutschland zu sein. Trifft das zu? Im volkswirtschaftlichen Rahmen soll der Energieverbrauch in der Gesamtheit betrachtet werden: von der „Erzeugung“ bis zu den Verbrauchsstellen. Je nach Blickwinkel und Darstellung sind die Ergebnisse euphorisierend bis ernüchternd.

Diese Fragen sind Gegenstand der morgigen Veranstaltung (Mittwoch, 03. September 2008) im Rahmen der neuen IUF Veranstaltungsreihe „Ökonomie am Feierabend“ – anschließende Fragen und Diskussion sind erwünscht. Referent ist Dipl.-Ing. Matthias G. Bumann, Geschäftsführer der Berliner Bauberatung DIMaGB. Das IUF empfängt interessierte Gäste um 18 Uhr im Haus der Zukunft e.v. in der Albrechtstraße 11, 10117 Berlin-Mitte.

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Ein Klima der Umverteilung

Aus dem aktuellen polnischen Nationalen Allokationsplan für den europäischen Emissionshandel:

While fulfilling the obligations of the Kyoto Protocol, Poland tends to use its high reduction surpluses to lure capital to Poland. One of the elements which makes Poland an attractive country to invest is the possibility to provide new installations with the emission allowance allocation.

Zwar ist der Emissionshandel aufgrund des geringen Geltungsbereichs ein nahezu unwirksames Instrument die weltweiten Klimagasemissionen spürbar zu reduzieren, doch für einige Länder liegt sein Charme schlichtweg darin, den monetären Wert der am Markt gehandelten Emissionsrechte als Ersatzwährung für ihre Industriepolitik zu verwenden. Bezahlt wird der Spaß von den europäischen Energieverbrauchern, denen der Emissionshandel eine Erhöhung der Stromrechnung beschert. So funktioniert Umverteilung unter dem Deckmantel der Klimapolitik.

Warum Energiesparen auch teuer ist?

Weil einige europäische Unternehmer nach wie vor damit durchkommen, sich mit Hilfe der Europäischen Union eine Extrawurst in Sachen internationaler Wettbewerb braten zu lassen. So hat der größte europäische Hersteller von Energiesparlampen es über die Jahre geschafft, sich mittels eines EU-Strafzolls unliebsame Konkurrenz aus Fernost vom Hals zu schaffen. Erst jetzt, nachdem dieser volkswirtschaftliche Unsinn bei steigenden Energiepreisen auch dem letzten Politiker, Konkurrenten und Umweltaktivisten absurd erscheint, sind die Tage dieser Handelsbarriere gezählt.

Doch statt dieses Resultat als Triumph des freien Handels zu würdigen lauern bereits die Wehklagen über einzelwirtschaftliche Folgen zwischen den Zeilen der Berichterstattung. Schon wird geunkt, wie viele Arbeitsplätze diesmal der Globalisierung zum Opfer fallen. Kein Kommentator kam in den vergangenen Jahren auf die Idee sich über die Nachteile des Strafzolls für weniger betuchte asiatische Arbeiter und deren  vertane Chancen aufzuregen. Zumal die von  Arbeitern aus Fernost produzierten Energiesparlampen gegen andere in Europa produzierte Güter eingetauscht worden wären, die man will es kaum glauben, von europäischen Arbeitern produziert worden wären. Auch wurden wenige Worte darüber verloren, dass europäische Konsumenten mit billigeren Energiesparlampen nicht nur Strom, sondern auch einen Teil des überteuerten Verkaufspreises gespart hätten, der dann in Form anderer Konsum- oder Investitionsgüter auch in Europa Arbeitsplätze und Einkommen geschaffen hätte. Diejenigen, die möglicherweise in den kommenden Monaten aufgrund der Reaktion europäischer Lampenhersteller auf die neue Wettbewerbssituation ihren Job verlieren, hätten ohne den Strafzoll der EU schon lange einen neuen, besseren, weil produktiveren Arbeitsplatz gefunden. Zu schade nur, dass Politiker und oft auch Journalisten nicht nur mit Scheuklappen zur Welt kommen, sondern es sich auch immer noch leisten können mit ihnen durch die Welt zu stapfen.

Lesetipp: Frederic Bastiat: Die Petition der Kerzenmacher; Russell Roberts: The Choice: A Fable of Free Trade and Protectionism

Gewußt wie…

…spart Energie! Das haben sich die Behörden des US-Bundesstaats Utah zu Herzen genommen und für ihre Beamten zum Energie sparen einen Arbeitstag gestrichen. Man kann nur hoffen, dass dieser Plan auch sonst den behördlichen Arbeitseifer etwas reduziert und somit weitere Gratiseffekte für die Bürger abwirft. Denn wenn die Beamten an vier Tagen pro Woche statt acht nun zehn Stunden arbeiten müssen, dürfte die Konzentrationsfähigkeit auf die Regulierung der Bürger zumindest zum Tagesende etwas nachlassen.

Wir wollen alles und zwar jetzt…

Im Traumland der Energiepolitik wird wie der Name es schon sagt geträumt. Man will eine niedrige Preise für einkommensschwache Haushalte aus dem Gewinnverzicht der Energieversorger finanzieren, gleichzeitig aber auch riesige Investitionen in eine zweifellos teure Energieversorgungsstruktur auf der Basis der Nutzung erneuerbarer Energieträger. Die Folgen, dass niedrigere Gewinne im Energiesektor alles andere als zusätzliche Investitionen nach sich ziehen und künstlich reduzierte Energiepreise auch nicht zur notwendigen Sparsamkeit anregen, werden im populistischen Traumland der Energiepolitik nicht berücksichtigt. Irgendwann aber muss jeder aufwachen…

Wenn Ideologie blind macht

Paul Krugmans New York Times Kolumnen sind ein schönes Beispiel für die horizonteinschränkende Wirkung einer ideologischen Parteinahme, die viele Zeitgenossen davon abhält ihre Argumente an Qualitätskriterien zu messen, die ihnen im persönlichen und beruflichen Alltag eigentlich selbstverständlich sein sollten.

Besorgt über den ökologischen Zustand der Welt vergisst Krugman nicht nur grundsätzliche Erkenntnisse seines eigenen Berufsstandes, sondern er greift auch zur beliebten Moralkeule, mit der man gern versucht Gegner ins argumentative Abseits zu stellen.

So behauptet er etwa, dass die Lockerung der Restriktionen zur Exploration von Ölfeldern in Alaska (ANWR) keinerlei Wirkungen auf den heutigen Ölpreis entfalten würden:

A McCain campaign ad says that gas prices are high right now because “some in Washington are still saying no to drilling in America.” That’s just plain dishonest: the U.S. government’s own Energy Information Administration says that removing restrictions on offshore drilling wouldn’t lead to any additional domestic oil production until 2017, and that even at its peak the extra production would have an “insignificant” impact on oil prices.

Als Ökonom, der sich mit den grundlegenden ressourcenökonomischen Arbeiten von Harold Hotelling auskennen sollte, müsste er wissen, dass Informationen über eine zukünftige Angebotserhöhung von Öl die Opportunitätskosten einer heutigen Nutzung, folglich die Grenzkosten ihrer Produktion senken, das Angebot erhöhen und damit den Preis schon heute reduzieren. Dabei spielt es nur eine untergeordnete Rolle, ob die zusätzlichen Ölquellen bereits morgen oder erst in zehn Jahren sprudeln. Wichtig sind allein die Information über die verfügbare Menge und zu erwartenden Förderkosten. Schließlich reduziert jede zusätzliche Menge Öl die heute gefunden und morgen gefördert werden kann den Wert des in den heute bereits bekannten Lagerstätten.

Bedauernswert sind ist auch die Drohkulisse gegenüber skeptischen Stimmen in der Klimapolitik:

The only way we’re going to get action, I’d suggest, is if those who stand in the way of action come to be perceived as not just wrong but immoral.

Nichts ist einfacher als Kritik mit dem Verweis auf egoistische Motive und unmoralisches Verhalten mundtot zu machen. Ein simples Gaubensbekenntnis wird über den Austausch von Argumenten gestellt. Wer sich an den vermeintlich niederen Motiven seiner plitischen Gegner abarbeitet, hofft offenbar darauf sich nicht mehr mit deren Argumenten abgeben zu müssen. Das mag den Lesern entgegenkommen, die ohnehin nur die Bestätigung ihrer eigenen politischen Vorurteile erwarten. Für die langfristige Glaubwürdigkeit der eigenen Position ist es ein Eigentor.

Prima Klima mit den Kinder-Cops?

Kinder sind seit jeher eine willkommene Hilfe für Interessengruppen mit totalitären Ambitionen. Sie sind begeisterungsfähig und mangels eigener Erfahrung, begrenztem Wissenshorizont sowie fehlender materieller Unabhängigkeit eher bereitwillig Autoritäten zu akzeptieren. Und so bleibt es nicht aus, dass Kinder immer wieder einzeln oder in Gruppen für die Durchsetzung politischer oder unternehmerischer Ziele instrumentalisiert werden, um in dieser Funktion die Zivilgesellschaft zu unterwandern. Nicht nur als spitzelnde Streifendienste der Hitlerjugend oder FDJ-Gruppen auf der Jagd nach Fernsehantennen für den Empfang von Westfernsehen (Aktion Ochsenkopf). Nein, nach den Vorstellungen einer Energiesparalternative der Firma npower sollen Kinder nun auch als Climate Cops in der eigenen Familie oder bei Freunden auf die Jagd nach Energie verschwendenden „Klimaverbrechern“ gehen, wobei sie sich auf der eigens dafür in Netz gestellten Webseite das nötige Equipment für diesen „Dienst an der Sache“ beschaffen können.

Diese und ähnliche Aktionen zeigen deutlich, dass der Umweltschutz als Ideologie zunehmend radikalisiert. wird. Statt nüchterner Überlegungen über die Relation von Kosten und Nutzen der Inanspruchnahme von Umweltgütern greifen die Trittbrettfahrer der Umweltpolitik zu immer radikaleren Lösungen, die keine Nuancen, sondern nur noch eindimensionale und drastische Lösungen kennten Dabei verschwimmen auch die begrifflichen Dimensionen. Papa wird zum Verbrecher, weil er den Fernseher im Standby betreibt oder sein Handy auf der Ladestation vergisst. Mama verspielt die Zukunft der Menschheit aufgrund einer zu langen oder zu heißen Dusche und weil sie darauf beharrt auch weiterhin den Wäschetrockner zu benutzen. Was als Straftat gilt oder nicht definiert nicht mehr das Strafgesetzbuch, sondern wie in diesem Fall der Energieversorger oder im Zweifel auch die Ortsgruppe des Umweltverbandes.

Abgesehen davon, dass die Spitzeldienste unserer Kinder herzlich wenig zur Reduzierung etwaiger Klimaprobleme oder anderer Umweltprobleme beitragen, läuft es einem kalt den Rücken herunter, wenn Interessengruppen versuchen Argumente und Anreize durch Stigmatisierung zu ersetzen, wenn Kinder genötigt werden die Interessen ihrer Familie zu Gunsten platter Heilslehren zu untergraben. Energieeffizienz kann und soll Kosten sparen, mehr nicht. Auf keinen Fall soll sie zum Religionsersatz werden und schon gar nicht zum Spielplatzersatz für gelangweilte Kinder.

Via Watts Up with That?