Archiv der Kategorie: Energiepolitik

Fragliche Beruhigungspille

Angesichts der russischen Gasblockade wird Wirtschaftsminister Glos nicht Müde die Sicherheit der Gasversorgung zu beteuern. Was die Versorgungssicherheit betrifft, ist dies sicherlich die angemessene Reaktion. Doch dieses Versprechen auf die Gaspreise auszudehnen und damit bei der Bevölkerung die Erwartungshaltung zu erzeugen, dass nichts, auch eine Versorgungsblockade, zu wirtschaftlichen Konsequenzen führen kann, ist sicherlich die denkbar schlechteste Reaktion.

Trifft ein reduziertes Angebot auf eine unveränderte Nachfrage kann eine Markträumung nur durch Preisanpassungen erreicht werden. Schließlich erzeugen steigende Preise das Signal, dass das Gas anderenorts wichtiger als hierzulande gebraucht wird. So werden in Teilen Osteuropas bereits Rationierungen vorgenommen, ein Hinweis dafür, das über das europäische Erdgasnetz auch aus Deutschland mit seinen gut gefüllten Zwischenlagerstätten Ausgleichslieferungen kommen könnten. Zudem müssen die jetzt arg in Anspruch genommenen Reserven in den kommenden Monaten wieder aufgefüllt werden, was bei einer nicht beliebig zu steigernden Erdgasförderung sicherlich auch zu steigenden Beschaffungskosten führen kann. Die Ölpreisbindung und sinkende Erdgaspreise auf dem Weltmarkt, wie der Wirtschaftsminister sie anführt, sind nur eine Seite der Marktrealität, der Umgang mit kurzfristigen Knappheiten und einer angemessenen Reaktion der Verbraucher die andere. Damit das Gas dort hingelagt, wo es dringensten benötigt wird, müssen die Preise flexibel sein können. Den Menschen zu suggerieren, dies sei nicht zu erwarten, ist sicherlich nicht die richtige Botschaft. Umsonst ist die Versorgungssicherheit nicht.

Update: Deutschland will Serbien mit Gas aushelfen, muss also seine eigenen Reserven anzapfen. In dieser Situation sollten flexible Preise die zunehmende Knappheit signalisieren dürfen. Schließlich müssen die Gasversorger diese Lücke später wieder füllen, was langfristig nicht ohne Konsequenzen für die Endverbraucherpreise bleibt. Wird aufgrund knappheitsgerechter Preise gleich dort gespart, wo es sich rechnet, wird weniger Gas verbraucht und die langfristen Kosten reduzieren sich. Das sollte die Reaktion auf die Gaskrise sein. Was Deutschland sicherlich nicht weniger abhängig von Erdgasimporten macht, ist der Ausbau der Wind- und Solarenergie. Schließlich brauchen beide Energiequellen aufgrund ihrer Unzuverlässigkeit ausreichende Backup-Kapazitäten, deren geeignetster Energieträger Erdgas ist.

Die Financial Times hat eine gute Übersicht über die Versorgung Europas mit russischem Erdgas.

In den Wind geblasen

Was wäre, wenn wir in Deutschland nicht das EEG hätten und Energieversorger bzw. deren Abnehmer nicht gezwungen wären „Windmüllern“ ihren Strom abzukaufen, sondern allein der Staat die Windkraftanlagen subventionieren würde. Dann würden auch deutsche Anlagenbetreiber den Betreibern der Übertragungsnetze Geld zahlen müssen, damit diese den Strom abnehmen, der zum Empfang der Subventionen berechtigt:

Even if the market value of the power is zero or negative, the subsidies encourage wind power producers to keep churning the megawatts out….You could, as a correspondent put it to me, build a giant toaster in West Texas and be paid by generators to operate it.

Via Marginal Revolution.

Kein Griff an die eigene Nase

Dieser Tage hört man von Seiten staatlicher Institutionen wieder einmal viel über vermeintlich überhöhter Preise. Vielleicht ein Thema für ein anderes Mal. Doch wer im Glashaus sitzt, der soll nicht mit Steinen werfen. Denn auch der Staat fragt bei den Preisen für seine Dienstleistungen selten, ob es nicht auch billiger geht. So haben Ökonomen des renomierten amerikanischen Umwelt-Think-Tanks Resources for the Future berechnet, dass Produktionssubventionen, wie in unserem Erneuerbare Energien Gesetz festgeschrieben, die Förderung des Umstiegs auf eine grüne Energiezukunft zweieinhalb mal so teuer werden lassen, wie eine vernünftige Einbindung der kohlendioxidfreien Energieträger in den Emissionshandel. Auch das von den hiesigen EEG-Verfechtern so verschmähte System von handelbaren Produktionsquoten schneidet noch deutlich besser ab wie unser hiesiger Einspeisetarif. Überzeugen kann auch nicht die Begründung, dass wir zwar teurer, aber in unseren Bemühungen wirksamer sein mögen. Wer braucht in Sachen Klimaschutz auf einer Welt knapper Ressourcen schon Lösungen, die sich nach dem Motto „Masse statt Klasse“ richten. Da drängt sich einem die Antwort auf: Derjenige der mehr  persönliches Interesse an Masse als an Klasse hat. Manche denken eben auch in Sachen Umweltschutz nicht viel weiter als an die Nachhaltigkeit in der eigenen Brieftasche.

Der Große Sprung ins Grüne

Pünktlich zum 50igsten Jubiläum des „Großen Sprung nach vorn“, der nahezu jedem chinesischen Dorf einen kleinen Hochofen bescherte und am Ende das Land in eine katastrophale Hungersnot mit bis zu 40 Millionen Opfern stürzen ließ, besinnt sich die polnische Regierung auf diese großartige Idee kommunaler Subsistenzwirtschaft. Diesmal sollen es jedoch keine Hochöfen, sondern Biogaskraftwerke sein, von denen mit Hilfe eines staatlichen Förderprogramms zukünftig mindestens eines seinen Platz in jeder polnischen Kommune finden soll. Auf der Jagd nach Klimaschutz und Energieeffizienz ist den polnischen Politikern offenbar entgangen, dass die Notwendigkeit der Förderung einer Vielzahl von Kleinanlagen gerade ein Indiz für ihre häufige Ineffizienz ist und es den Protagonisten solcher Abenteuer vor allem darum geht den polnischen Bauern ein nettes Zubrot auf Kosten der Steuerzahler zu verschaffen. Vielleicht ist an dem Ausspruch „Vom Sozialismus lernen heißt siegen lernen.“ ja doch etwas dran. Denn wer von den wirtschaftspolitischen Abenteuern des Sozialismus nicht lernt, der wird tatsächlich aus Schaden nie klug werden.

Von wegen Klimaschützer

Wenn die Grünen die Funktionsweise des europäischen Treibhausgas handels nur richtig begriffen hätten, wäre ihnen der jetzt unter scharfen Auflagen beschlossene Bau des Kraftwerks Moorburg nicht als „bittere Niederlage“, sondern als Beitrag zu einem pragmatischen Klimaschutz erschienen. Schließlich dürfte die Stromproduktion in diesem Kraftwerk deutlich klimaschonender ausfallen als in den Altanlagen, denen das neue Kraftwerk nun die Emissionsberechtigungen wegnimmt. Ohne Moorburg würde in Europa keine Tonne Kohlendioxid weniger emittiert, dafür jedoch weniger Strom zu höheren Kosten produziert. Sollte es das sein, was Umweltschützer wollen oder haben sie wirklich keinen Schimmer von dem Klimaschutzinstrument, was sie in den vergangenen Jahren mit auf die Agenda gehievt haben?

Von der politischen Ökonomie eines Skandals

Fassungslos liest man in der Tagespresse die Nachrichten von den Opfern des mit Melamin verseuchten Milchpulvers und die Meldungen von weiteren Verunreinigungen in Milchprodukten aus chinesischer Herstellung. Dabei haben die Verunreinigungen ein System, soll doch die illegale Beimischung der im Körper zu gefährlichen Nieren- und Blasensteinen kristallisierenden Substanz einen höheren Proteingehalt vortäuschen. Ohne die kriminelle Energie und Verantwortungslosigkeit der Urheber dieses Skandals schmälern zu wollen, lohnt doch ein Blick auf die gegenwärtige Marktsituation, um neben den unmittelbaren Tätern auch Hinweise auf weitere Faktoren zu finden, die diesem Handeln erst die kaum vorstellbare Rationalität geben. Drastische Preiserhöhungen für Lebensmittel tragen mit Sicherheit dazu bei, dass sich das Verbrechen in der Nahrungsmittelbranche mehr lohnt. Lassen sich doch auf diesem Wege die immer teurer werdenden proteinhaltigen Nahrungsmittelrohstoffe teilweise „substituieren“. Berücksichtigt man vor diesem Hintergrund, dass bis zu 75 % der Lebensmittelpreissteigerungen der subventionsgetriebenen Biospritproduktion zu Last gelegt werden, dann kommt man nicht umhin, neben den eigentlichen Schuldigen auch den Finger auf die Wunde der unbeabsichtigten Konsequenzen einer verfehlten Energie- und Umweltpolitik zu legen.

Pressespiegel

Die Commerzbank und die Dresdner Bank planen eine Fusion. Die Gewerkschaft ver.di treibt ihre Mitglieder gegen personelle Konsequenzen auf die Straße. Verbraucher und Beschäftigte werden die sozialpolitischen Experimente „Standortsicherung und Beschäftigungsgarantien“ wieder ausbaden müssen.

Derweil versucht die SPD aus den Symptomen ihres Scheiterns politisches Kapital zu schlagen. Die sozialdemokratische Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik hat in den vergangenen Jahren viel zur mageren Arbeitsmarktbilanz und zur konjunkturellen Verwundbarkeit der deutschen Volkswirtschaft beigetragen. Jetzt werden die Folgen sichtbar und die SPD-Linke deutet ihre eigenen Fehler in das Versagen der sozialen Marktwirtschaft um. Ihre Alternative: Das was Investitionen und Beschäftigung niedrig gehalten sowie Unternehmen außer Landes getrieben hat, wird um wohlfeile Versprechungen von „Mindestlöhnen und angemessener Beteiligung am gesellschaftlichen Reichtum“ ergänzt. Objektive politische Diagnose? Wirtschaftspolitischer Realismus? Fehlanzeige bei der SPD.

Stichwort „Gefühlte Problemlösung“. Niederländische Diskogänger können sich jetzt ein ökologisches Gewissen ertanzen. Mit hohen Treibhausgasemissionen von der Landwirtschaft hergestellter Alkohol und Junk-Food werden auf der Tanzfläche mit Mini-Dynamos wieder in Strom umgewandelt. Glauben Diskothekenbetreiber an das Perpetuum Mobile?

IUF-Veranstaltung zur Energieeffizienz

Angesichts stark gestiegner Energiepreise stellt sich die Frage wohin uns diese Entwicklung führen wird. Die so genannte zweite Miete droht die Kaltmiete zu überholen, aber ungeachtet ob Mieter oder Eigentümer, alle müssen im Winter heizen. Allein schon aus Gründen der Vernunft und Ökonomie ist es geboten, nach Wegen zu suchen, dieser Entwicklung gegenzusteuern, denn Einsparpotenziale sind vorhanden.

Gesetze und Verordnungen regeln Standards, die auf eine Erhöhung der Energieeffizienz abzielen. Auf welchen Grundlagen beruhen diese Regularien? Sind die apokalyptischen Prognosen in den Medien ernster zu nehmen als Erfolgsmeldungen der Bundesregierung? Gerade wer sein eigenes Geld ausgibt, schaut auf das Verhältnis von Aufwand und Nutzen. Wie hoch sind die Einsparpotenziale anzusetzen, was wurde in den letzten Jahren erreicht?

Den Haushalten wird suggeriert, als Sektor einer der größten Energieverbraucher in Deutschland zu sein. Trifft das zu? Im volkswirtschaftlichen Rahmen soll der Energieverbrauch in der Gesamtheit betrachtet werden: von der „Erzeugung“ bis zu den Verbrauchsstellen. Je nach Blickwinkel und Darstellung sind die Ergebnisse euphorisierend bis ernüchternd.

Diese Fragen sind Gegenstand der morgigen Veranstaltung (Mittwoch, 03. September 2008) im Rahmen der neuen IUF Veranstaltungsreihe „Ökonomie am Feierabend“ – anschließende Fragen und Diskussion sind erwünscht. Referent ist Dipl.-Ing. Matthias G. Bumann, Geschäftsführer der Berliner Bauberatung DIMaGB. Das IUF empfängt interessierte Gäste um 18 Uhr im Haus der Zukunft e.v. in der Albrechtstraße 11, 10117 Berlin-Mitte.

Ein Klima der Umverteilung

Aus dem aktuellen polnischen Nationalen Allokationsplan für den europäischen Emissionshandel:

While fulfilling the obligations of the Kyoto Protocol, Poland tends to use its high reduction surpluses to lure capital to Poland. One of the elements which makes Poland an attractive country to invest is the possibility to provide new installations with the emission allowance allocation.

Zwar ist der Emissionshandel aufgrund des geringen Geltungsbereichs ein nahezu unwirksames Instrument die weltweiten Klimagasemissionen spürbar zu reduzieren, doch für einige Länder liegt sein Charme schlichtweg darin, den monetären Wert der am Markt gehandelten Emissionsrechte als Ersatzwährung für ihre Industriepolitik zu verwenden. Bezahlt wird der Spaß von den europäischen Energieverbrauchern, denen der Emissionshandel eine Erhöhung der Stromrechnung beschert. So funktioniert Umverteilung unter dem Deckmantel der Klimapolitik.

Warum Energiesparen auch teuer ist?

Weil einige europäische Unternehmer nach wie vor damit durchkommen, sich mit Hilfe der Europäischen Union eine Extrawurst in Sachen internationaler Wettbewerb braten zu lassen. So hat der größte europäische Hersteller von Energiesparlampen es über die Jahre geschafft, sich mittels eines EU-Strafzolls unliebsame Konkurrenz aus Fernost vom Hals zu schaffen. Erst jetzt, nachdem dieser volkswirtschaftliche Unsinn bei steigenden Energiepreisen auch dem letzten Politiker, Konkurrenten und Umweltaktivisten absurd erscheint, sind die Tage dieser Handelsbarriere gezählt.

Doch statt dieses Resultat als Triumph des freien Handels zu würdigen lauern bereits die Wehklagen über einzelwirtschaftliche Folgen zwischen den Zeilen der Berichterstattung. Schon wird geunkt, wie viele Arbeitsplätze diesmal der Globalisierung zum Opfer fallen. Kein Kommentator kam in den vergangenen Jahren auf die Idee sich über die Nachteile des Strafzolls für weniger betuchte asiatische Arbeiter und deren  vertane Chancen aufzuregen. Zumal die von  Arbeitern aus Fernost produzierten Energiesparlampen gegen andere in Europa produzierte Güter eingetauscht worden wären, die man will es kaum glauben, von europäischen Arbeitern produziert worden wären. Auch wurden wenige Worte darüber verloren, dass europäische Konsumenten mit billigeren Energiesparlampen nicht nur Strom, sondern auch einen Teil des überteuerten Verkaufspreises gespart hätten, der dann in Form anderer Konsum- oder Investitionsgüter auch in Europa Arbeitsplätze und Einkommen geschaffen hätte. Diejenigen, die möglicherweise in den kommenden Monaten aufgrund der Reaktion europäischer Lampenhersteller auf die neue Wettbewerbssituation ihren Job verlieren, hätten ohne den Strafzoll der EU schon lange einen neuen, besseren, weil produktiveren Arbeitsplatz gefunden. Zu schade nur, dass Politiker und oft auch Journalisten nicht nur mit Scheuklappen zur Welt kommen, sondern es sich auch immer noch leisten können mit ihnen durch die Welt zu stapfen.

Lesetipp: Frederic Bastiat: Die Petition der Kerzenmacher; Russell Roberts: The Choice: A Fable of Free Trade and Protectionism