Archiv der Kategorie: Bildungspolitik

Neues von den Libertären

Die Libertäre Plattform der FDP hat ein Positionspapier zur Schulbildung veröffentlicht. In den USA geht soeben das libertäres E-Journal „Libertarian Papers“ ins Netz.

Eingebildeter Zielkonflikt

Die Bundesforschungsministerin kritisiert den Vorstoß der CDU in der Haushaltsdebatte, die Steuern angesichts der gegenwärtigen konjunkturellen Situation zu senken. Man kann trefflich darüber streiten, ob Steuersenkungen tatsächlich zu einem unmittelbaren Ausweg aus einer wirtschaftlichen Talfahrt führen. Schaden werden sie zumindest nicht, bedenkt man doch, dass auch der Bürger das Geld in den Wirtschaftskreislauf zurückführt, zumal für die Dinge seiner Wahl, und mehr Anreiz zum arbeiten hat . Doch die Begründung, das Geld würde dann dem Staatshaushalt und vor allem dem Bildungsbudget fehlen, beschwört einen Zielkonflikt herauf, der in dieser Härte schlicht nicht existiert. Schließlich trägt ein mehr an verfügbarem Einkommen durchaus dazu bei, dass in den Familien die Bildung ihrer Sprösslinge weniger als finanzielle Last empfunden wird. Die derzeitige Diskussion um die Studiengebühren demonstriert das sehr deutlich. Zumal ein echter Beleg dafür fehlt, dass Bildung und Forschung nur effektiv und vor allem effizient durch den Staat bereitgestellt werden können. Skeptische Stimmen sind hier keine Seltenheit.

Auch stellt sich die Frage, ob es nicht grundsätzlich ein Konstruktionsfehler des Bildungssystems ist, wenn den Eltern die Möglichkeit der Fianzierung der Bildung ihrer Kinder und damit auch die Wahl der Qualität der Bildung rechtlich und materiell weitestgehend entzogen wird. Hier zeigt sich nämlich der engstirnige Paternalismus in der Bildungsdebatte, der dem Bürger bei der Entscheidung über die eigene Bildungsentscheidung und die seiner Kinder nicht über den Weg traut. Jeder Halbwüchsige wartet sehnlichst auf den Tag, an dem das Elternhaus nicht mehr die Grenzen der individuellen Selbstverwirklichung definiert. Nur die wenigsten bemerken, dass Papa Staat die Fesseln für die Zeit danach nicht viel lockerer lässt und man für dieses Elternhaus dann auch noch bezahlen muss.

Nichts ist unmöglich…

…man muss es nur richtig machen. Wenn Frau Gruß von der FDP meint,

„Ohne eine staatliche Förderung und Gleichstellung der privatgewerblichen Kinderbetreuung ist ein flächendeckendes, qualitativ hochwertiges Angebot jedoch nicht möglich. Das Argument, nur öffentliche Träger seien in der Lage eine gute Betreuung anzubieten, gehört endgültig widerlegt.“,

dann dann hat sie zwar prinzipiell recht, zäumt aber das Pferd der Kinderbetreuung gewissermaßen von hinten auf. Wie wäre es damit von einer Objektförderung in der Kinderbetreuung konsequent auf eine Subjektförderung der Eltern mit nachfolgender Wahlfreiheit zwischen Betreuungsstätten öffentlicher und privater Träger über zu gehen? Damit wäre der von ihr angemahnten Gleichstellung aller Träger genüge getan und ein fairer Wettbewerb der Kindertagesstätten um die Kinder eröffnet. Kein Politiker müsste sich dann Gedanken machen, wer denn nun einer öffentlichen Förderung besonders bedarf. Kindertagesstätten würden mit ihrer Betreuungsqualität um die Kinder buhlen, statt Zeit und Personal dafür zu verschwenden öffentliche Fördertöpfe anzuzapfen. So einfach kann Kinderförderung und Armutsbekämpfung sein.

Prima Klima mit den Kinder-Cops?

Kinder sind seit jeher eine willkommene Hilfe für Interessengruppen mit totalitären Ambitionen. Sie sind begeisterungsfähig und mangels eigener Erfahrung, begrenztem Wissenshorizont sowie fehlender materieller Unabhängigkeit eher bereitwillig Autoritäten zu akzeptieren. Und so bleibt es nicht aus, dass Kinder immer wieder einzeln oder in Gruppen für die Durchsetzung politischer oder unternehmerischer Ziele instrumentalisiert werden, um in dieser Funktion die Zivilgesellschaft zu unterwandern. Nicht nur als spitzelnde Streifendienste der Hitlerjugend oder FDJ-Gruppen auf der Jagd nach Fernsehantennen für den Empfang von Westfernsehen (Aktion Ochsenkopf). Nein, nach den Vorstellungen einer Energiesparalternative der Firma npower sollen Kinder nun auch als Climate Cops in der eigenen Familie oder bei Freunden auf die Jagd nach Energie verschwendenden „Klimaverbrechern“ gehen, wobei sie sich auf der eigens dafür in Netz gestellten Webseite das nötige Equipment für diesen „Dienst an der Sache“ beschaffen können.

Diese und ähnliche Aktionen zeigen deutlich, dass der Umweltschutz als Ideologie zunehmend radikalisiert. wird. Statt nüchterner Überlegungen über die Relation von Kosten und Nutzen der Inanspruchnahme von Umweltgütern greifen die Trittbrettfahrer der Umweltpolitik zu immer radikaleren Lösungen, die keine Nuancen, sondern nur noch eindimensionale und drastische Lösungen kennten Dabei verschwimmen auch die begrifflichen Dimensionen. Papa wird zum Verbrecher, weil er den Fernseher im Standby betreibt oder sein Handy auf der Ladestation vergisst. Mama verspielt die Zukunft der Menschheit aufgrund einer zu langen oder zu heißen Dusche und weil sie darauf beharrt auch weiterhin den Wäschetrockner zu benutzen. Was als Straftat gilt oder nicht definiert nicht mehr das Strafgesetzbuch, sondern wie in diesem Fall der Energieversorger oder im Zweifel auch die Ortsgruppe des Umweltverbandes.

Abgesehen davon, dass die Spitzeldienste unserer Kinder herzlich wenig zur Reduzierung etwaiger Klimaprobleme oder anderer Umweltprobleme beitragen, läuft es einem kalt den Rücken herunter, wenn Interessengruppen versuchen Argumente und Anreize durch Stigmatisierung zu ersetzen, wenn Kinder genötigt werden die Interessen ihrer Familie zu Gunsten platter Heilslehren zu untergraben. Energieeffizienz kann und soll Kosten sparen, mehr nicht. Auf keinen Fall soll sie zum Religionsersatz werden und schon gar nicht zum Spielplatzersatz für gelangweilte Kinder.

Via Watts Up with That?

Günstiger studieren?

In Hessen wurden die Studiengebühren gekippt, in Hamburg nahezu halbiert. Studenten und Bildungspolitiker aller Orten glauben offenbar noch im an einen Free Lunch.

Hochschulbildung ist aufgrund der hohen zu erwartenden Bildungsrendite eine lukrative Investition in Humankapital, die ebenso wie jede andere Investition nur dann eigenverantwortlich, den gegebenen Marktrisiken angemessen und auf einen maximalen Ertrag ausgerichtet ist, wenn sie vom Nutznießer des späteren Gewinns auch finanziert wird. Das äußert sich in einer sorgfältigeren Wahl des Studienfachs, mehr Lerneifer und in einer kürzeren Studienzeit, was nicht nur bessere Jobaussichten, sondern auch wegen des früheren Berufseinstiegs ein höheres Lebenseinkommen verspricht.

Zudem können Studiengebühren zu einer effizienteren und qualitätsorientierten Hochschulfinanzierung beitragen. Hochschulen befinden sich im Wettbewerb um zahlende Studenten, weshalb die Bildungseinrichtungen gezwungen sind vor allem in die ergebnisorientierte Qualität ihrer Bildungseinrichtung zu investieren.

Schließlich sind Studiengebühren, anders als vielfach behauptet, gerecht, denn sie sorgen dafür, dass die Nutznießer der Gewinne einer akademischen Ausbildung zumindest einen Teil der Kosten übernehmen und die Last nicht auf anonyme Steuerzahler übertragen, die im Zweifel nie eine Hochschule von innen gesehen haben.

Prioritäten setzen

Der Copenhagen Consensus ist in seine zweite Runde gegangen und die Ergebnisse der Debatte können auf der Webseite der vom dänischen Statistiker Björn Lomborg (Autor von Cool it! Warum wir trotz Klimawandel einen kühlen Kopf bewahren sollten) organisierten Expertenrunde verfolgt werden. Die nach Meinung der Experten wichtigsten Probleme der aktuellen Menschheitsentwicklung vom Hunger bis zum Klimawandel wurden in Kopenhagen in den vergangenen Wochen diskutiert und daraus eine Rangreihe der wichtigsten Aufgaben vorgeschlagen. Als wichtigstes Ziel sehen die Experten die Beseitigung des Hungers an. Verschiedene umweltpolitische Maßnahmenpakete gegen den Klimawandel landeten dagegen abgeschlagen auf den Plätzen 14, 29 und 30. Auch Handelsliberalisierung, Bildung und die Bekämpfung von Krankheiten besitzen eine höhere Dringlichkeit als der Klimawandel.

Die Ergebnisse zeigen, dass bei den gegenwärtig verfügbaren Informationen über Kosten und Nutzen unterschiedlicher Problemlösungsstrategien eine dem üblichen Bild einer vom Klimawandel bedrohten Welt abweichende Prioritätensetzung sinnvoll erscheint, der Einsatz knapper gesellschaftlicher Ressourcen demnach sinnvoller als nach der üblichen politischen Schwerpunktsetzung erfolgen sollte. Die der Debatte zugrundeliegenden wissenschaftlichen Arbeiten bieten in sofern greifbare Bewertungskritirien der Problemsituation und liefern eine in Grenzen handhabbare Vergleichsbasis von Nutzen und Kosten der jeweiligen Problemlösung.

Trotz dieser sinnvollen Denkanstösse bleibt aber zu berücksichtigen, dass die Maßnahmen vor dem Hintergrund begrenzter Informationen beurteilt werden müssen und zum überwiegend Teil die Umsetzung staatlicher Programme einfordern. Erfahrungen aus der politischen Realität zeigen jedoch, dass sowohl die Planung als auch die Umsetzung globaler Lösungsstrategien den Defiziten der staatlichen Handlungslogik ausgeliefert ist. Insofern besteht auch hier die Gefahr, dass eine derartige Prioritätenliste als von Experten abgesegnete Einladung zu einer Ausweitung staatlichen Handelns missverstanden werden kann.

Instinktiver Irrtum

„Folk Economics“ nennt der Ökonom Paul Rubin das intuitive ökonomische Denken von Mann und Frau auf der Straße, dass sich, statt Gedanken an Effizienzgewinne aus wirtschaftlichen Aktivitäten zu verschwenden, vornehmlich um die Verteilung von vorhandenem Wohlstand dreht. Otto Normalverbraucher interpretiert Preise als Mittel zum Umverteilung von einer Person zu einer anderen, nicht jedoch als Mechanismus zur Allokation knapper Ressourcen in die Produktion der gewünschten Güter und Dienstleistungen. Für sie ist die Menge der am Markt gehandelten Güter fix und unabhängig vom jeweiligen Marktpreis. Vielen meinen wir leben in einer Welt in der Gewinne der einen stets Verluste der anderen sind und in der das primäre Ziel des Einzelnen die eigene Wohlstandsmaximierung ist. Da auch Arbeit zu den gehandelten Gütern gehört, wird die Anzahl von Jobs ebenfalls als unveränderlich angesehen. Jeder neue Job muss daher zwangsläufig die Zerstörung eines anderen Arbeitsplatzes voraussetzen. Es hilft nicht viel, dass ein paar Blicke in ein gutes Ökonomielehrbuch (z.B. David D. Friedman: Der ökonomische Code. Wie wirtschaftliches Denken unser Handeln bestimmt.) den Leser eines Besseren belehren würden. Weiterlesen