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Buchvorstellung: Kleines Lesebuch über die Verfassung der Freiheit

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Dr. Michael von Prollius stellt das von ihm zusammengestellte und kommentierte „Kleines Lesebuch über die Verfassung der Freiheit“ vor, in dem herausragende Liberale, wie Solon v. Athen, Humboldt, Kant, Hayek und de Jasay u.v.m. sich mit dieser Thematik auseinander setzen. Die Bemühungen um eine Verfassung der Freiheit reichen bis in die klassische Antike zurück; sie sind ein integraler Bestandteil der Geschichte Europas. Die Beschäftigung mit den Ideen dieser großen Denker ist ein Bildungserlebnis und besitzt große aktuelle Bedeutung.

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Von Selbsterfahrung und Selbstherrschaft

Unser Schulsystem steigert immer mehr unser Wissen über technische Dinge, aber wenig das Wissen über uns selbst. Besonders wenig erfahren wir über Selbst-Bestimmung, Selbst-Genuss und Selbst-Herrschaft. Das „Selbst“ oder „Ich“ wird immer nur negativ beschrieben. Sei nicht egoistisch, lebe für Andere, sei Deinen Eltern dankbar und andere kollektivistische und religiöse Floskeln, die uns einreden, dass individueller Genuss ungerecht und böse ist.

Eigenartigerweise wird von den gleichen Menschen der Werterelativismus und Werteverfall sowie mangelnder Charakter bei den Anderen beklagt. Es fällt natürlich auf, dass sie immer nur von Anderen sprechen, obwohl sie selbst über sich nur wenig wissen. Wenn sie mehr Disziplin einfordern, reden sie natürlich von der Disziplin der Anderen, also Fremddisziplin. Sie scheinen nicht auf die Idee zu kommen, dass gerade der geforderte Charakter, die eigenen Werte das Gegenteil ihrer sonstigen Forderungen nach Gleichheit Unterordnung und Anpassung bedeuten. Wer achtsame und sozial agierende Menschen will, braucht Stärke, Selbstbestimmung, Selbstgenügsamkeit und Eigenverantwortung. Das Gegenteil, also was die Institutionen (Kirche, Staat, Gewerkschaften etc.), hinter denen sie sich verstecken, fordern und fördern. Sozial, das heißt für Andere nützlich und wertvoll ist nur der Leistungsträger, der dem Anderen Freitauschgewinn erst ermöglicht. All diejenigen Menschen, die die Begriffe sozial und Gleichheit vor sich hertragen, sind weder sozial, da sie keine gewünschte Leistung bringen, noch gleich, da sie immer auf Kosten Anderer leben wollen. Der selbst beherrschte, selbstgenügsame Mensch ist ihr größter Gegner. Er lässt sich nicht durch Geschenke abhängig machen und lässt sich nur schwer verdummen und bestehlen.

Dass unser Wachstum an Wissen und an Selbst-Herrschaft immer weiter auseinanderklafft, ist allein ein Ergebnis der Institutionen, natürlich ihrer Vertreter, denn die Vermittlung von Fachwissen erschien immer viel ungefährlicher als die Vermittlung von Selbst-Wissen. Des Weiteren ist Wissen auswendig zu lernen und in Prüfungen abzuspulen weit aus einfacher, als sich selbst zu erforschen und sich auf Augenhöhe mit der eigenen Begrenztheit und Unvollkommenheit zu begeben. Die etwas Mutigeren fangen an, Dinge zu produzieren und sie als Frei-Tausch an den Markt zu bringen. Aber auch sie produzieren zwar schon viel mehr Genuss als die armseligen Zwangs-Tauscher, verzichten aber auf ungeahnte Genussmöglichkeiten, weil sie sich den Unterschied zwischen Genuss und Genuss-Mittel nicht ausreichend verdeutlichen.

Die Genussforschung aus wirtschaftlicher Sicht ist mehr als gering in unserem Land. Das Wissen darüber, wie ich Genuss produziere, was ich auch nur für mich allein kann, ist mehr als gering. Die Angst zu reflektieren, d. h. in sich hineinzuschauen, ist durch die Religion planmäßig geschürt. Stell´ Dir vor, Du schaust in Dich hinein und findest nichts, oder nur das kleine Arschloch, das häufig allein Dein Fühlen, Denken und Handeln zu bestimmen scheint. Risiko, überall Risiko, wenn ich neue Gebiete betrete, egal, ob in der Außenwelt oder in der Innenwelt. Nur ohne Neugierde kein Wissen über meine Schwächen, damit keine bewusste Steigerung meiner Selbst-Herrschaft. Dabei sind Wissen und Selbst-Herrschaft die wichtigsten Faktoren für meinen Genuss, für meine Lebenskunst. Wobei Wissen das einfacher zu Erlangende ist, aber ohne Selbst-Herrschaft häufig zu Selbst- und Fremdschädigung führt. Öfter mal innehalten, sich von der Masse, dem Kollektiv und der Familie bewusst entfernen, um zu schauen, was dann von mir noch übrig ist. Ist offensichtlich nichts mehr übrig, sich auf die Suche machen nach sich selbst und nicht aufhören, weil das erhoffte glorreiche Ich nicht zu finden ist. Es muss aufgebaut werden auf das kleine Ich, das nur eines sicher, ziemlich sicher weiß: Ich denke, also bin Ich. Oder materiell betrachtet: Ich habe Körper, Gehirn etc., also bin Ich (Eigentümer).

Wohlgemerkt, dies ist das für mich sicherste Wissen, alles andere Fühlen, Denken und Handeln basiert auf viel mehr Unsicherheit. Aber gerade meine Dummheit und Unbeherrschtheit ermöglichen mir als begrenztes und nicht perfektes Wesen, meinen Lebensgenuss erheblich zu steigern. Ich liebe meine Begrenztheit, ohne sie wäre Lernen und Üben nicht so unglaublich Genuss steigernd. Ich bin genusssüchtig, die einzige Sucht, die durch Einsatz von Verstand und Vernunft gefördert wird.

In guten Händen?

David Harnasch und die Macher des Weblogs „Freunde des offenen Gesellschaft“ haben meinen Aufsatz „In guten Händen? Umweltschutz als Staatsaufgabe“ als Podcast zum Anhören produziert. Herzlichen Dank an den phantastischen Sprecher und die fleißigen Organisatoren!

Bloggen für unternehmerische Freiheit

Mit Beginn des neuen Jahres startet auch das neue Weblog-Projekt des Berliner Instituts für Unternehmerische Freiheit. Die Mitarbeiter und Freunde des Instituts wollen sich ab sofort auch in der Blogosphäre an der Diskussion politischer und gesellschaftlicher Fragen beteiligen. Nach wie vor ist die Freiheit für Menschen und Märkte ein empfindliches Pflänzchen, dass ein wachstumsfreundliches Milieu benötigt. Hierzu soll dieser Weblog beitragen. Wir beobachten und diskutieren den politischen Prozess in diesem Land, Europa und der Welt aus einer freiheitlichen Perspektive. Hierbei sollen vor allem die Vielzahl staatlicher Eingriffe unter der Lupe genommen und politische Lippenbekenntnisse an ihrer Realität gemessen werden.

Der IUF-Blog versteht sich als offenes Projekt mit einer wachsenden Autorenzahl. Wer also nicht nur passiv als Leser oder als Kommentator, sondern als Autor betragen möchte, kann uns gern kontaktieren.

Das IUF-Team wünscht allen seinen Freunden ein erfolgreiches und freies Jahr 2008!

lessons von goethe.

j.wright

Learning a foreign language is a tedious process, during which one must remember that the payoff is a new mode of communication and invaluable insight into a foreign culture. As a student at the Goethe Institut in Berlin, my mornings are filled with vocabulary lists and short excerpts of the Verkehr or Wetter reports, group games for memorizing articles, and color-coded flash cards of unregalmaßig verbs. We draw pictures of our Träumhauser and point out the most important amenities like privateweg, große Küche, and Schwimmbad. We learn the Konjunktiv Zwei tense using sentences like: “Wenn ich reich ware, würde ich einen Ferrari fahren”.

Surprisingly, apart from these basic exercises, the lessons have become a bit like a course in basic ethics. This was first evident in a worksheet our teacher gave us entitled: Warum sind Sie in der Hölle, Warum sind Sie im Himmel? Our assignment was to choose certain phrases from a list and write them under the picture of the devil or the picture of the angel. As the lösung sheet came along after we finished, mit Kokain handeln, Bäume abschneiden, Mädchenhändler, Millionär, Cognac, and lügen were placed under the devil. Fasten, Kirche gehen, Kinder lieben, meditieren, gute Noten geben, zahnarzt, and Papst were placed under the angel. The finished exercise could have been entitled: the morality of the people in less than 50 words.

The next day proved to be a continuation of Goethe Ethics 101 and began with an excerpt entitled “Statistisch gesehen”. The article indicated “sind aber über eine Million Menschen in Deutschland obdachlos” – over one million people are homeless in Germany, furthermore, “es gibt zu wenig preiswere Sozialwohnungen und immer mehr Menschen, die aus dem sozialen Netz rausfallen” – there are too few inexpensive social housing provisions and always more homeless people who fall through the social net. The article ended with the final sobering thought: “Vor allem allein stehende Arbeitslose und Ausländer, aber auch Rentner und kinderreiche Familien, landen in Heimen und Containern oder im schlimmsten Fall auf der Straße”.

After reading the excerpt, we learned about types of houses and lifestyles in Germany, about: Altbau, Neubau, Eigenheim, Hochhaus, Doppelhaushälfte, and Reihenhause. We learned about wohnungs with einbauküche, balkon, tiefgarage, garten, and terrasse … our class assignment was to put these things and what we had learned about Germany’s “social net” into categories of “good” and “bad” according to our opinion. Most of us put the typical amenities like a swimming pool, balcony, and garden in the “good” category, some of us preferred the single family house to the condominium or vice versa. What was most interesting, however, was the fact that the German sozialen Netz was unquestionably placed in the “good” category. We debated over whether we preferred the luxuswohnung with the Maßfertigte Möbel or the Altbau with Flohmarkt Möbel, but the fact that homelessness is bad and that the government should provide some kind of welfare to the people “falling through the cracks” was like a moral axiom to every person in the class. With students from Spain, Portugal, Norway, Japan, South Korea, China, The United Arab Emirates, North Africa, and Turkey, you would think there would be differing opinions or some kind of discussion about such a consequential issue. Despite my usual angst for posing questions in German, I asked the teacher if we could put sozialen Netz in the “bad category” and was answered with a resounding “Nein nein nein” from the class and a “das ist dein Meinung” from the teacher, accompanied with a look that seemed to say “you crazy American”.