Die große Umverteilung

Als der europäische Emissionshandel anfang dieses Jahres in seine zweite Runde ging wechselte ein jährliches Finanzvolumen von derzeit rund 35 Milliarden Euro den Besitzer, mehr als 1,6 Mrd. Berechtigungen zur Emission einer Tonne Kohlendioxid zu einem Tageswert von gut 21 Euro.

Ökonomisch rational handelnde Unternehmen können die erzwungene Reduktion ihrer Emissionen ohne betriebswirtschaftliche Verluste nur erreichen, wenn sie ihre Produktionsmenge reduzieren und alle Emissionsrechte, die an der Börse mehr Erlöse bringen als in der Verbrennungsanlage, meistbietend verkaufen. Und so kommt es, dass wir trotz unentgeltlich verteilter Emissionsrechte jede Tonne Kohlendioxid auf unserer Energierechnung wieder finden. Bei unveränderter Energienachfrage kommt weniger Strom auf den Markt, was Preissteigerungen unvermeidlich werden lässt.

Dabei sind die eigentlichen Kosten in Form zusätzlicher Produktionsfaktoren viel geringer als der Wert, der über den Energiemarkt in Bewegung gesetzt wird. Die folgende Skizze soll das erläutern. Zwar kostet jede Maßnahme zur Emissionsreduktion den Anlagenbetreiber etwas, doch versucht er nach und nach die jeweils kostengünstigsten Möglichkeiten der Emissionsvermeidung umzusetzen. Erst wenn die Reduzierung einer Tonne Kohlendioxid mehr kostet als der Erwerb einer Berechtigung an der Börse stellen die Anlagenbetreiber eigene Anstrengungen ein und kaufen sich frei.

Noch illustrativer ist vielleicht folgendes Zahlenbeispiel: In einer fiktiven Volkswirtschaft wird ausgehend von einer unregulierten Emissionsmenge von zehn Tonnen Kohlendioxid eine Emissionsobergrenze von sieben Tonnen eingeführt. Die Reduktion der für eine Zieleinhaltung notwendigen drei Tonnen THG verursacht aufgrund zunehmender Grenzkosten der Vermeidung jeweils 1€, 5€ und 10€. Demnach lässt sich das Gesamtziel mit einem Kostenaufwand von 16€ realisieren. Da die Grenzkosten der Vermeidung der letzten, mit dem höchsten Aufwand zu vermeidenden Emissionseinheit (10€/Tonne) gleichzeitig auch den Marktpreis eines Emissionsrechts bilden, entspricht der Gesamtwert aller verfügbaren sieben Tonnen Kohlendioxid in diesem Beispiel 70€, was ein Mehrfaches der eigentlichen Gesamtkosten des Emissionshandels ausmacht.

Da der Konsument aber für jede emittierte Tonne des vollen Marktpreis bezahlt, trägt er nicht nur die Last der Vermeidung, sondern finanziert dem einen oder anderen Anlagenbetreiber fette Windfall-Profits, weil der im Gegensatz zu manch anderen seiner Branche billigere Vermeidungstechnologien hat. Das hat wenig mit der Boshaftigkeit dieser Unternehmen zu tun, als vielmehr mit der grundsätzlichen Existenz ökonomischer Renten bei knappen Ressourcen. Und da der Staat diese Knappheit erst aus einer klimapolitischen Laune heraus ins Leben gerufen hat, trägt er die eigentliche Verantwortung für diese Umverteilungsorgie. Der Verteilungskampf der Anlagenbetreiber mag unter diesen Umständen nicht weiter verwundern. Er ist aber,  anders als Politiker und Medien es uns immer wieder auftischen wollen, nicht die Ursache, sondern ein Symptom des eigentlichen Problems.

Nun mag man sich freuen, dass ab dem Jahr 2013 auch von der EU-Kommission beabsichtigt wird, dass dieses alles andere als faire Verfahren ein Ende hat, weil sie bis 2020 auf eine vollständige Versteigerung der Emissionsrechte hinarbeitet. Doch statt die Chance zu nutzen und die anfallenden Auktionserlöse an die betroffenen Konsumenten auszuschütten oder mit dem Geld die Senkung von Steuern zu finanzieren, ist jetzt schon geplant, dass bestenfalls zwanzig Prozent der Emissionsrechte für solcherart „soziale Kompensationen“ zur Verfügung stehen sollen. Eine lächerlich geringer Anteil der Gesamterlöse, der dann auch noch mit allerlei anderen Begehrlichkeiten, wie etwa der Subventionierung von Erneuerbaren Energien und anderen Klimaschutzprojekten konkurrieren muss. Der Rest versickert irgendwo in den Staatshaushalt en der EU-Mitgliedsstaaten und dürfte dort wohl nur dazu dienen diverse Finanzierungslöscher zu stopfen ohne die Last der Verbraucher zu kompensieren. Und bei alle dem soll man noch glauben Klimapolitik wäre billig zu haben. Fragt sich nur für wen?

Eine Antwort zu “Die große Umverteilung

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