Crisis? What Crisis?

Angesichts des zähen Ringens um den Rettungsplan des US-Finanzministers Paulson für den angeschlagenen Finanzsektor im US-Senat drängt sich einem doch tatsächlich die Frage auf, welche Krise der Steuerzahler hier eigentlich überwinden helfen soll. Während Roger Lowenstein anschaulich erläutert, dass es hier vor allem darum geht den Allerwertesten von Bankenmanagern zu retten und das die Rettungspläne kaum geeignet sind amerikanische Immobilienbesitzer vor der Zwangsvollstreckung zu bewahren, legt Steven Landsburg noch nach, indem er klarstellt, dass eine Krise des amerikanischen Finanzsektors noch lange nicht das Ende der Existenz von potentiellen Kreditgebern und -nehmern bedeutet und die moderne Welt des Internet wohl sehr schnell mit dem Ende einiger Bankenriesen klarkommen dürfte. Noch nie war es so einfach wie heute, Menschen zu vernetzen und dabei das Geld von einem Menschen zu einem anderen zu transferieren. Parallelen mit der Zeit der Weltwirtschaftskrise,  in der das Versagen einiger Banken mit einem drastisch verringerten Geldangebot der amerikanischen Zentralbank einherging und es kein Internet sowie kaum andere moderne Kommunikationsmittel gab, sind auf jeden Fall nicht zu ziehen. Fazit: Die Krise wird herbeigeredet, damit der eine oder andere Finanzjongleur auf Steuerzahlerkosten um die schmerzvollen Konsequenzen seiner Fehler erleichtert wird. Kein Wunder, dass der Kapitalismus so einen schlechten Ruf hat, liegt doch ein Teil seiner Protagonisten den sozialen Planern im Notfall ganz gern auf der Tasche.

Podcast-Tipp: EconTalk „Shiller On Housing and Bubbles“ mit Robert Shiller und Russell Roberts.

2 Antworten zu “Crisis? What Crisis?

  1. Pingback: Mikrowelle » [Lesebefehl] Bankenkrise - Linksammlung

  2. Glaubt man den Kommentaren in manchen Tageszeitungen, dann tritt dieser Tage die ganze Schwäche und Anfälligkeit der modernen Marktwirtschaft (auch genannt „Kapitalismus“) zu Tage. Gefordert wird Regulierung und Verstaatlichung der betroffenen Branche.

    Ich teile diese Ansicht nicht. Erstens kann man so pauschal nicht argumentieren und zweitens muss man sich schon die Mühe machen, nach den Ursachen der Krise zu forschen. Ich greife im Folgenden auf Kenntnisse aus dem BWL-Studium in Göttingen und Berlin sowie auf Veröffentlichungen in der Tagespresse (MOZ, Spiegel), in der Wirtschaftspresse (Financial Times Deutschland) und von der „Naumann-Stiftung für die Freiheit“ zurück.

    Meine These lautet: Auf einem idealen, freien Markt würde so etwas nicht passieren!

    Die Verwerfungen im Bankensektor haben ihre Ursache nicht darin, dass dort „ein freier Markt besteht“. Im Gegenteil handelte es sich z. B. bei den Hypotheken-Finanzierern Fannie Mae und Freddie Mac um halbstaatliche Konzerne. Auch in Deutschland waren bisher vor allem staatliche Institute betroffen: ILB, KfW, Sächsische Landesbank etc. Der verhängnisvolle Einfluss des Staates (ergo: der Politik) ist jeweils sichtbar geworden.

    Weiterhin wird eine schärfere Regulierung wirkungslos bleiben, solange bereits die bestehenden Gesetze keine Verbesserung bewirken. Es gibt in Deutschland (Handelsgesetz, Aktiengesetz etc.), aber auch international (International Financal Reporting Standards) umfangreiche Vorschriften zur Bewertung von Vermögen und Schulden sowie zur Berichterstattung und zur Wirtschaftsprüfung.

    Wie der Verfassungsrichter Di Fabio nachweist, werden manche Probleme nicht weniger, wenn sich der Staat (die Politik) ihrer annimmt. Durch die Notwendigkeit zum politischen Erfolg beschränken sich die Akteure auf diejenigen Teilprobleme, die in ihrem Machtbereich liegen und kurzfristige Erfolge versprechen. Das erklärt die weltweite Entwicklung, mehr Gesetze zu erlassen (mehr Regulierung) und die Gelddruckmaschinen (Verstaatlichung der Verluste) anzuwerfen.

    Doch Vorsicht ist geboten: Durch Fehler beim Krisenmanagement kann aus der relativ sektoralen Bankenkrise eine echte Geldkrise werden! Jeder Geldschein, der dieser Tage frisch gedruckt und für die Bankenrettung ausgegeben wird, erhöht die Geldmenge und senkt den realen Wert der Sparkonten!

    In der modernen Volkswirtschaftslehre wird auf die dynamischen Kräfte hingewiesen, die sich aus Erwartungen (hinsichtlich der Geldmenge, der Inflation und der Konjunktur) ergeben. Ebenso kann man es dem Banker wohl nicht verübeln, wenn er bei seinen Wett-Geschäften von vorneherein erwartet, dass letztendlich sowieso der Steuerzahler für seine Fehler bezahlen muss!

    Meiner Ansicht nach gibt es nur einen Weg aus der Krise: Weniger Staat, mehr Eigenverantortung! Dann haben wir Kleinverdiener mehr netto und die maroden Banker gehen leer aus!

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