Aspirin gegen den Klimawandel

Immer wieder hören wir, dass klimapolitische Maßnahmen mit angeblich geringem Kostenaufwand angesichts der horrenden zu erwartenden Kostenbelastungen durch den Klimawandel auch ein wirtschaftliches Gebot der Stunde sind. Wer mag nicht auf einen kleinen Teil seiner gegenwärtigen Annehmlichkeiten verzichten, wenn damit riesige Probleme in der Zukunft vermieden werden können. So klingt all das, was wir gegenwärtig aus Brüssel und Berlin hören. Björn Lomborg hingegen zeigt, in  einer Project Syndicate Kolummne dass hier mutwillig unzulässige Vergleiche gezogen werden:

Barrosos Pointe jedoch war, dass die „Kosten gering sind im Vergleich zum hohen Preis des Nichtstuns“. Tatsächlich prognostizierte er, der Preis der Untätigkeit könne „sich sogar 20% vom BIP annähern“. (Wobei nichts zur Sache tut, dass diese Kostenschätzung völlig überzogen sein dürfte. Die meisten Modelle weisen Schäden von etwa 3% aus.)

Das also ist es. Natürlich sollten Politiker bereit sein, 0,5% vom BIP auszugeben, um Kosten von 20% vom BIP zu sparen. Das klingt absolut vernünftig – bis einem klar wird, dass Barroso hier zwei völlig verschiedene Sachverhalte vergleicht.

Die Kosten in Höhe von 0,5% vom BIP werden die Emissionen um eine Klitzekleinigkeit verringern. (Falls jeder in der EU seine Vorgaben für den Rest des Jahrhunderts tatsächlich einhält, werden die weltweiten Emissionen um etwa 4% sinken.) Dies würde den bis Ende des Jahrhunderts erwarteten Temperaturanstieg um gerade mal fünf Hundertstel eines Grad Celsius verringern. Das extrem ehrgeizige Programm der EU wird also die globale Erwärmung nicht aufhalten; es wird sie nicht einmal wesentlich beeinflussen.

Mit anderen Worten: Wenn Barroso Kosten von 20% vom BIP im Jahre 2100 befürchtet, so tut die Zahlung von 0,5% in jedem Jahr dieses Jahrhunderts praktisch nichts, um diese Kosten zu senken. Am Ende des Jahrhunderts müssen wir trotzdem zahlen; bloß haben wir uns nun zusätzlich in den 90 Jahren davor selbst ärmer gemacht.

Um die Sache noch etwas zu illustrieren vergleicht er die gegenwärtige klimapolitische Logik in Europa mit einem treffenden Bild:

Die Argumentation der EU ähnelt dem Ratschlag an einen Mann mit vom Wundbrand befallenem Bein, es wäre ein gutes Geschäft, € 50.000 für eine Aspirintablette auszugeben, da die Kosten im Vergleich zum Preis des Nichtstuns – dem Verlust des Beins – günstig wären. Natürlich verhindert das Aspirin das Ergebnis nicht. Vielmehr ist das Untätigkeitsargument schrecklich fahrlässig, denn es führt dazu, dass wir Aspirin empfehlen und intelligentere Maßnahmen – die das Bein tatsächlich retten könnten – aus den Augen verlieren.

Schauen wir uns um, dann sehen wir viele dieser klimapolitischen Aspirin-Tabletten. Windkraftanlagen, Solardächer, teure Energiesparmaßnahmen, Unmengen von Investitionen deren Kosten-Nutzen-Relation im Vergleich zu günstigeren Alternativen der Emissionsminderung nur zu offensichtlich sind, deren ökonomische Absurdität mit Subventionen übertüncht wird. Für die jedoch, nicht für die Umwelt, ergreifen immer mehr Partei.

Eine Antwort zu “Aspirin gegen den Klimawandel

  1. Pingback: Mikrowelle » Die Kosten des Nichtstuns

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