Monatsarchiv: September 2008

Von wegen Klimaschützer

Wenn die Grünen die Funktionsweise des europäischen Treibhausgas handels nur richtig begriffen hätten, wäre ihnen der jetzt unter scharfen Auflagen beschlossene Bau des Kraftwerks Moorburg nicht als „bittere Niederlage“, sondern als Beitrag zu einem pragmatischen Klimaschutz erschienen. Schließlich dürfte die Stromproduktion in diesem Kraftwerk deutlich klimaschonender ausfallen als in den Altanlagen, denen das neue Kraftwerk nun die Emissionsberechtigungen wegnimmt. Ohne Moorburg würde in Europa keine Tonne Kohlendioxid weniger emittiert, dafür jedoch weniger Strom zu höheren Kosten produziert. Sollte es das sein, was Umweltschützer wollen oder haben sie wirklich keinen Schimmer von dem Klimaschutzinstrument, was sie in den vergangenen Jahren mit auf die Agenda gehievt haben?

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Bloß nicht zweifeln

Richard S. Lindzen, amerikanischer Metereologie-Professor und prominenter „Klimaskeptiker“, beschäftigt sich in einem gerade veröffentlichten Aufsatz mit der Frage, ob sich die derzeitige Klimawissenschaft tatsächlich für eine objektive Aufarbeitung und Generierung des Wissens um die Grundlagen und den Wandel des Erdklimas eignet. Er ist nach wie vor sehr skeptisch:

For a variety of inter-related cultural, organizational, and political reasons, progress in climate science and the actual solution of scientific problems in this field have moved at a much slower rate than would normally be possible. Not all these factors are unique to climate science, but the heavy influence of politics has served to amplify the role of the other factors. Such factors as the change in the scientific paradigm from a dialectic opposition between theory and observation to an emphasis on simulation and observational programs, the inordinate growth of administration in universities and the consequent increase in importance of grant overhead, and the hierarchical nature of formal scientific organizations are cosidered. This paper will deal with the origin of the cultural changes and with specific examples of the operation and interaction of these factors. In particular, we will show how political bodies act to control scientific institutions, how scientists adjust both data and even theory to accommodate politically correct positions, and how opposition to these positions is disposed of.

Crisis? What Crisis?

Angesichts des zähen Ringens um den Rettungsplan des US-Finanzministers Paulson für den angeschlagenen Finanzsektor im US-Senat drängt sich einem doch tatsächlich die Frage auf, welche Krise der Steuerzahler hier eigentlich überwinden helfen soll. Während Roger Lowenstein anschaulich erläutert, dass es hier vor allem darum geht den Allerwertesten von Bankenmanagern zu retten und das die Rettungspläne kaum geeignet sind amerikanische Immobilienbesitzer vor der Zwangsvollstreckung zu bewahren, legt Steven Landsburg noch nach, indem er klarstellt, dass eine Krise des amerikanischen Finanzsektors noch lange nicht das Ende der Existenz von potentiellen Kreditgebern und -nehmern bedeutet und die moderne Welt des Internet wohl sehr schnell mit dem Ende einiger Bankenriesen klarkommen dürfte. Noch nie war es so einfach wie heute, Menschen zu vernetzen und dabei das Geld von einem Menschen zu einem anderen zu transferieren. Parallelen mit der Zeit der Weltwirtschaftskrise,  in der das Versagen einiger Banken mit einem drastisch verringerten Geldangebot der amerikanischen Zentralbank einherging und es kein Internet sowie kaum andere moderne Kommunikationsmittel gab, sind auf jeden Fall nicht zu ziehen. Fazit: Die Krise wird herbeigeredet, damit der eine oder andere Finanzjongleur auf Steuerzahlerkosten um die schmerzvollen Konsequenzen seiner Fehler erleichtert wird. Kein Wunder, dass der Kapitalismus so einen schlechten Ruf hat, liegt doch ein Teil seiner Protagonisten den sozialen Planern im Notfall ganz gern auf der Tasche.

Podcast-Tipp: EconTalk „Shiller On Housing and Bubbles“ mit Robert Shiller und Russell Roberts.

Alles, nur nicht effizient

Für die ab 2010 verfügbaren Milliardenerlöse aus der Versteigerung der Emissionsrechte des europäischen Treibhausgashandels haben Ökonomen eine nahezu einmütige Verwendungsempfehlung: Senkung verzerrender Steuern auf Arbeit und Kapital. Nur so lassen sich die enormen volkswirtschaftlichen Kosten der Klimapolitik einigermaßen erträglich halten, könnten doch diese Entlastungen dazu beitragen die steuerbedingten Stolpersteine des Arbeits- und Kapitaleinsatzes zu reduzieren. Schließlich wirken klimapolitische Maßnahmen wie eine zusätzliche Steuer auf Arbeit und Kapital, die Reallöhne und -kapitalerträge reduziert und somit die verzerrende Wirkung der ohnehin schon bestehenden Steuerlast noch erhöht.

Doch wie so häufig werden diese Empfehlungen von der Realpolitik in den Wind geschlagen. Vielmehr wird beabsichtigt, mit den Einnahmen des Emissionshandels die Löcher zu stopfen, die der unbekümmerte Umgang mit den öffentlichen Budgets gerissen hat. Statt Haushaltsdisziplin zu waren und sich ausgabenseitig auf die Kernkompetenzen staatlichen Handelns zu beschränken, sollen die Auktionserlöse als willkommene Manövriermasse des angeschlagenen Staatshaushalts einspringen. Bei diesen Aussichten ist es auch kein echter Trost, dass über diese Begehrlichkeiten offenbar auch kein Platz mehr für die Finanzierung diverser grüner Prestigeobjekte aus dem Bereich des Umweltschutzes bleibt.

IUF-Veranstaltung: Manipulierte Konjunktur

Lehren aus der Weltwirtschaftskrise für die aktuelle Finanzkrise

Mehrfach haben Experten die anhaltende Finanzkrise für beendet erklärt, zugleich sind Ausmaß und Ende kaum absehbar. Bei der öffentlichen Ursachenforschung stehen das „Monster“ globalisierte Finanzmärkte sowie die Gier und Risikoignoranz der Finanzinstitute im Vordergrund. Die Mär vom Versagen des Kapitalismus und einer heilsamen Regulierung macht erneut die Runde.

Bereits vor über 70 Jahren wurde das Staatsversagen, das zur Weltwirtschaftskrise der dreißiger Jahre geführt hatte, in ein Marktversagen umgedeutet. Wie heute auch stand eine Finanzkrise im Mittelpunkt der Turbulenzen. Zugleich gibt es beruhigende Unterschiede.

Welche tieferen Ursachen liegen der vergangenen wie der aktuellen Krise zu Grunde? Welche Rolle spielen die Zentralbanken? Welche Wege gibt es aus der Krise? Kann der Staat die Wirtschaft stabilisieren?

Die Geld- und Konjunkturtheorie der Österreichischen Schule gibt auf diese und andere Fragen bemerkenswert aktuelle Antworten. Als Gäste des IUF können Sie zudem die Erkenntnis widerlegen, dass die Geschichte die beste Lehrmeisterin mit den schlechtesten Schülern ist.

Vortrag von Dr. Michael v. Prollius am Mittwoch, dem 01. Oktober 2008 im Haus der Zukunft e.V. in der Albrechtstr. 11, 10117 Berlin um 19 Uhr. Näheres finden Sie auf der Webseite des IUF.

Aspirin gegen den Klimawandel

Immer wieder hören wir, dass klimapolitische Maßnahmen mit angeblich geringem Kostenaufwand angesichts der horrenden zu erwartenden Kostenbelastungen durch den Klimawandel auch ein wirtschaftliches Gebot der Stunde sind. Wer mag nicht auf einen kleinen Teil seiner gegenwärtigen Annehmlichkeiten verzichten, wenn damit riesige Probleme in der Zukunft vermieden werden können. So klingt all das, was wir gegenwärtig aus Brüssel und Berlin hören. Björn Lomborg hingegen zeigt, in  einer Project Syndicate Kolummne dass hier mutwillig unzulässige Vergleiche gezogen werden:

Barrosos Pointe jedoch war, dass die „Kosten gering sind im Vergleich zum hohen Preis des Nichtstuns“. Tatsächlich prognostizierte er, der Preis der Untätigkeit könne „sich sogar 20% vom BIP annähern“. (Wobei nichts zur Sache tut, dass diese Kostenschätzung völlig überzogen sein dürfte. Die meisten Modelle weisen Schäden von etwa 3% aus.)

Das also ist es. Natürlich sollten Politiker bereit sein, 0,5% vom BIP auszugeben, um Kosten von 20% vom BIP zu sparen. Das klingt absolut vernünftig – bis einem klar wird, dass Barroso hier zwei völlig verschiedene Sachverhalte vergleicht.

Die Kosten in Höhe von 0,5% vom BIP werden die Emissionen um eine Klitzekleinigkeit verringern. (Falls jeder in der EU seine Vorgaben für den Rest des Jahrhunderts tatsächlich einhält, werden die weltweiten Emissionen um etwa 4% sinken.) Dies würde den bis Ende des Jahrhunderts erwarteten Temperaturanstieg um gerade mal fünf Hundertstel eines Grad Celsius verringern. Das extrem ehrgeizige Programm der EU wird also die globale Erwärmung nicht aufhalten; es wird sie nicht einmal wesentlich beeinflussen.

Mit anderen Worten: Wenn Barroso Kosten von 20% vom BIP im Jahre 2100 befürchtet, so tut die Zahlung von 0,5% in jedem Jahr dieses Jahrhunderts praktisch nichts, um diese Kosten zu senken. Am Ende des Jahrhunderts müssen wir trotzdem zahlen; bloß haben wir uns nun zusätzlich in den 90 Jahren davor selbst ärmer gemacht.

Um die Sache noch etwas zu illustrieren vergleicht er die gegenwärtige klimapolitische Logik in Europa mit einem treffenden Bild:

Die Argumentation der EU ähnelt dem Ratschlag an einen Mann mit vom Wundbrand befallenem Bein, es wäre ein gutes Geschäft, € 50.000 für eine Aspirintablette auszugeben, da die Kosten im Vergleich zum Preis des Nichtstuns – dem Verlust des Beins – günstig wären. Natürlich verhindert das Aspirin das Ergebnis nicht. Vielmehr ist das Untätigkeitsargument schrecklich fahrlässig, denn es führt dazu, dass wir Aspirin empfehlen und intelligentere Maßnahmen – die das Bein tatsächlich retten könnten – aus den Augen verlieren.

Schauen wir uns um, dann sehen wir viele dieser klimapolitischen Aspirin-Tabletten. Windkraftanlagen, Solardächer, teure Energiesparmaßnahmen, Unmengen von Investitionen deren Kosten-Nutzen-Relation im Vergleich zu günstigeren Alternativen der Emissionsminderung nur zu offensichtlich sind, deren ökonomische Absurdität mit Subventionen übertüncht wird. Für die jedoch, nicht für die Umwelt, ergreifen immer mehr Partei.

Verreguliert

Professor Ekkehard Wenger in einem Interview über den nur scheinbaren Segen der Bankenaufsicht:

Drehen wir die Uhr hundert Jahre zurück – damals gab es auch keine Bankenaufsicht und die Banken haben dennoch existiert. Das Fehlen der Aufsicht hatte zur Konsequenz, dass die Banken sehr viel vorsichtiger sein mussten, sonst waren sie weg vom Fenster. Das hat sich darin ausgedrückt, dass die Eigenkapitalquoten der Banken damals sehr viel höher waren als sie es heute sind. Mit Aufsicht und dem ganzem Regularium sind die Eigenkapitalquoten niedriger und das System anfälliger als es ohne Aufsicht wäre…

Die Aufsicht und die Einhaltung der entsprechenden Regeln haben dazu geführt, dass sich die Leute entlastet fühlen und nicht mehr über die Frage nachdenken, was betriebswirtschaftlich vertretbar und sinnvoll ist. Die Umstellung der Aufsichtsregeln im Zusammenhang mit Kreditzusagen zeigt dies deutlich. Hier ist nach neuem Recht eine Eigenkapital-Unterlegung nötig, nach altem Recht war das in der Regel nicht so. Das hat dazu geführt, dass die IKB Kreditzusagen in unverantwortlicher Höhe gemacht hat. Man hat sich lediglich die Frage gestellt, ob man in Einklang mit den Aufsichtsregeln handelt, anstatt zu überlegen, ob man betriebswirtschaftlich vernünftig handelt. Die Regeln, die entlasten sollen, hatten den gegenteiligen Effekt.