Deutschlands bessere Manager?

Angesichts steigender Energiepreise und deutlicher Personalkostenerhöhungen kündigt die Bahn eine neuerliche Tariferhöhung an. Und schon sind Politiker des gesamten Parteienspektrums um grobe Vorwürfe und gute Ratschläge nicht verlegen. Die einen werfen der Bahn eiskalte Gewinnmaximierung vor, andere wiederum geben zu bedenken, die Preiserhöhungen würden von den Verbrauchern falsch interpretiert werden können.

Zugegeben, es gibt einiges an Hausaufgaben für die Politik zu tun, damit die Bahn zu einem effizienten Wettbewerber unter verschiedenen Verkehrsträgern wird. Doch das hat wenig mit der Preispolitik des Staatsunternehmens zu tun. Angesichts des zunehmenden Wettbewerbs des Straßen- und Flugverkehrs und letztlich auch moderner Kommunikationstechnologien hat die Bahn, wenn schon nicht auf dem eigenen Schienennetz, so denn als Verkehrsträger ernst zunehmende Konkurrenz und kann sich deshalb kaum als echter Monopolist verhalten. Die Preise sind also, soviel betriebswirtschaftliches Denken möchte man den Marketingstrategen und Controllern der Bahn schon zutrauen, ein Ergebnis eines unter den staatlichen Restriktionen machbaren Gewinnmaximierungsprozesses im Wettbewerb um den Mobilität nachfragenden Verbraucher. Gewinne aber sollte man auch einem Staatsunternehmen nicht streitig machen, denn schließlich gibt der Bund ja vor, seine maximierten Einnahmen für gemeinwohlverbessernde Zwecke auszugeben. Auch müssen hohe Energiekosten und üppige Lohnabschlüsse verdient werden. Welcher Bahnkritiker wollte nach all dem Daumendrücken für die Sache der Lokführer selbigen jetzt in den Rücken fallen?

Wohlbekannt ist auch das wohlgefällige Argument vom Widerspruch hoher Gewinne und einer Ankündigung einer Tariferhöhung. Dem Bürger ist nun mal am besten gedient, wenn die Bahn ihren Gewinn maximiert und damit dem Markt für den Börsengang ein möglichst positives Investitionssignal sendet, den die Bahn braucht Investitionen um zu einem modernen, wettbewerbsfähigen und damit auch kostengünstigen Verkehrsträger zu werden. Was private Investoren nicht zur Verfügung stellen, muss schließlich sonst der Staat neben all den anderen Ausgaben aus Steuermitteln schultern. Das wird nicht billiger (ganz im Gegenteil), wäre bloß nicht ganz so transparent und damit geeignet dem Bürger die Illusion eines Geschenk des Himmels zu geben. Zudem sind Gewinne eben nur hoch, wenn die Schere zwischen Einnahmen und Ausgaben möglichst groß ist. Also muss man um diesen Zustand zu erhalten die Einnahmenentwicklung an das Ausgabenwachstum anpassen, um seine Existenz am Markt überhaupt rechtfertigen zu können.

Insofern spricht der Aufschrei über die Preispolitik der Bahn wieder einmal Bände, was den ökonomischen Durchblick unserer Politiker und Volksvertreter betrifft. All die klugen Ratschläge für die Bahn deuten nicht auf soliden fachlichen Sachverstand in Sachen Unternehmensführung hin, sondern eher auf das Bedürfnis, sich vor der Öffentlichkeit den Anstrich der furchtlosen Streiter für die Sache der Schutzbefohlenen zu geben. Doch wer die Bahn fördern möchte, weil er sozial Schwachen ohne eigenes Verkehrsmittel unter die Arme greifen will, der sollte die Gewinne der Bahn akzeptieren und den Bedürftigen direkt helfen, etwa indem er deren Mobilität finanziell fördert. Wer die Bahn ihrer selbst wegen fördern will, der sollte der Bahn selbst das Geschäft überlassen und sich um seinen eigenen Kram kümmern, das jedoch nicht, bevor er sich die Frage gestellt hat, was genau außer den angenehmen Kindheitserinnerungen an eine qualmende Dampflok an der Bahn eigentlich förderungswürdig ist. Wer aber die Bahn aus Umweltschutzgründen fördern möchte, der sollte sich erst überlegen, was genau an der Bahn so umweltfreundlich ist und dann genau an dieser Stelle und zwar für alle Verkehrsträger die Zange ansetzen. Eine Konzentration auf eine schadstoffbezogene Umweltpolitik mit wenig marktbeeinträchtigen Instrumenten wie Umweltabgaben wäre hier sicher sinnvoller. Infantile Eisenbahnnostalgie mit wirksamer Umweltpolitik zu verwechseln steigert, zumindest für den mitdenkenden Bürger, nicht das Vertrauen in unsere politischen Mandatsträger.

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