Tagesarchiv: Sonntag, 10 August, 2008

Wenn das mal nicht daneben geht

Tilidin gilt laut Spiegel Online als Modedroge. Deshalb steht der Wirkstoff, wirksamer Bestandteil des starken Schmerzmittels Valoron N, jetzt auf der Abschussliste der Berliner Justizsenatorin. Das bedeutet, sie will diesen Wirkstoff dem Betäubungsmittelgesetz unterwerfen und damit dessen Verfügbarkeit erschweren. In Zukunft soll man Medikamente deren wirksamer Bestandteil Tilidin ist, nur noch mit einem durchnummerierten, mehrfarbig auf speziellem Papier gedruckten und somit schwer zu fälschendem BTM-Rezept bekommen. Wird das Problem damit gelöst?

Wohl kaum, ist doch bekannt, dass der Wirkstoff Tilidin nicht nur in Form von Präparaten wie Valoron N, dass aufgrund des eingebauten Morphinantagonisten Naxolon nur eine relativ kurze kontrollierte Wirksamkeit besitzt, sondern auch auf illegalem Wege als reiner Wirkstoff aus Osteuropa beschafft werden kann. Somit ist zu erwarten, dass ein erschwerter Zugang zu Präparaten aus der Apotheke zu einer Substitution durch nicht wirkungsreduzierte Substitute über illegale Importe erfolgt. Neben der stärkeren Wirkung mit unangenehmeren Nebeneffekten dürfte das auch eine Zunahme an Drogenkriminalität nach sich ziehen. Wie so oft verursacht die vermeintliche Lösung eines Problems ein weiteres Problem.

Lesetipp: Jeffrey A. Miron (2004): Drug War Crimes: The Consequences of Prohibition

Advertisements