Fast daneben ist auch vorbei

Die Finanzexpertin der Grünen Frau Bulling-Schröter kritisiert die Bundesregierung scharf für ihre an den sozialen und ökologischen Realitäten vorbeigehende Biospritpolitik:

Wenn jetzt noch mehr Bioethanol aus brasilianischem Zuckerrohr in deutschen Tanks landen soll, betreibt die Bundesrepublik Klimaschutz auf Kosten Brasiliens. Gabriel sollte lieber auf die brasilianische Bischofskonferenz hören. Die Kirchenvertreter haben ihrer Umweltministerin ausdrücklich widersprochen, als diese ihrem deutschen Amtskollegen erklärte, die Ethanolerzeugung gehe nicht zu Lasten des Regenwaldes und der Nahrungsmittelherstellung.

Der Run auf Agrotreibstoffe ist ein Element der Preisexplosion im Nahrungsmittelsektor. Zudem erhöht die wachsende Nachfrage nach Agrosprit direkt oder indirekt den Flächendruck auf die letzten Tropenwälder. Aus diesen Gründen ist die von Gabriel ins Spiel gebrachte Nachhaltigkeitszertifizierung nichts anderes als ein Luftschloss von EU-Bürokraten. Und darum darf in deutschen Autos nur soviel Agrosprit verfahren werden, wie auf den in Deutschland vorhandenen Anbauflächen nachhaltig erzeugt werden kann.

Dem kann man in weiten Teilen nur zustimmen. Doch zeugt es von einer gewissen Naivität, wenn einerseits ganz richtig das wirkungslose Deckmäntelchen Nachhaltigkeitszertifikat kritisiert wird, wenn andererseits die ökonomischen Konsequenzen einer „nachhaltigen“ Erzeugung „auf den in Deutschland vorhandenen Anbauflächen“ vernachlässigt werden. Ebenso wie eine Zertifizierung der Biomasse aus den Tropen es nicht verhindern kann, dass die höhere Flächennachfrage andere, nicht zertifizierte auf marginale, ökologisch sensible Flächen treibt, lässt sich auch durch eine Konzentration der Biomasseerzeugung in Deutschland nicht vermeiden, dass die verdrängten landwirtschaftlichen Produkte im Zweifel nicht nachhaltig produziert werden und auf dem Importweg nach Deutschland finden.

Man kann sich in der Bioenergiepolitik winden wie man will, es ist nicht zu vermeiden, dass die subventionierte Produktion zur Ressourcenverschwendung und in diesem Fall besonders sichtbar zu ernsten ökologischen und sozialen Konsequenzen führt. Biomasse als Energieträger ist zweifellos eine sinnvolle Option der Energieversorgung und kann dort zu Anwendung kommen, wo die ökonomischen Vorteile die vergleichsweise schlechte Energiebilanz kompensieren. Doch öffentliche Fördergelder sind ein sicherer Indikator dafür, dass die Anbieter und Nachfrager dieser Energieträger deren volkswirtschaftlichen Kosten nicht in voller Höhe tragen.

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