Prioritäten setzen

Der Copenhagen Consensus ist in seine zweite Runde gegangen und die Ergebnisse der Debatte können auf der Webseite der vom dänischen Statistiker Björn Lomborg (Autor von Cool it! Warum wir trotz Klimawandel einen kühlen Kopf bewahren sollten) organisierten Expertenrunde verfolgt werden. Die nach Meinung der Experten wichtigsten Probleme der aktuellen Menschheitsentwicklung vom Hunger bis zum Klimawandel wurden in Kopenhagen in den vergangenen Wochen diskutiert und daraus eine Rangreihe der wichtigsten Aufgaben vorgeschlagen. Als wichtigstes Ziel sehen die Experten die Beseitigung des Hungers an. Verschiedene umweltpolitische Maßnahmenpakete gegen den Klimawandel landeten dagegen abgeschlagen auf den Plätzen 14, 29 und 30. Auch Handelsliberalisierung, Bildung und die Bekämpfung von Krankheiten besitzen eine höhere Dringlichkeit als der Klimawandel.

Die Ergebnisse zeigen, dass bei den gegenwärtig verfügbaren Informationen über Kosten und Nutzen unterschiedlicher Problemlösungsstrategien eine dem üblichen Bild einer vom Klimawandel bedrohten Welt abweichende Prioritätensetzung sinnvoll erscheint, der Einsatz knapper gesellschaftlicher Ressourcen demnach sinnvoller als nach der üblichen politischen Schwerpunktsetzung erfolgen sollte. Die der Debatte zugrundeliegenden wissenschaftlichen Arbeiten bieten in sofern greifbare Bewertungskritirien der Problemsituation und liefern eine in Grenzen handhabbare Vergleichsbasis von Nutzen und Kosten der jeweiligen Problemlösung.

Trotz dieser sinnvollen Denkanstösse bleibt aber zu berücksichtigen, dass die Maßnahmen vor dem Hintergrund begrenzter Informationen beurteilt werden müssen und zum überwiegend Teil die Umsetzung staatlicher Programme einfordern. Erfahrungen aus der politischen Realität zeigen jedoch, dass sowohl die Planung als auch die Umsetzung globaler Lösungsstrategien den Defiziten der staatlichen Handlungslogik ausgeliefert ist. Insofern besteht auch hier die Gefahr, dass eine derartige Prioritätenliste als von Experten abgesegnete Einladung zu einer Ausweitung staatlichen Handelns missverstanden werden kann.

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