Brauchen wir eine Milchversicherung?

Über die Dürftigkeit der Argumente der Milchlobby haben wir ja bereits geschrieben. Dem ist auch nichts hinzuzufügen. Nun versucht der Bauernverbandspräsident uns die Bettelnummer von den fairen Preisen als Versicherung gegen Preisschwankungen und Lieferengpässe zu verkaufen:

Ein fairer Milchpreis koste eine vierköpfige Familie im Schnitt 3,20 Euro mehr pro Monat; dafür seien eine sichere Milchversorgung und stabilere Preise gewährleistet.

Mit anderen Worten empfiehlt er jeder vierköpfigen Familie sich eine Versicherung gegen Preisschwankungen und Lieferengpässe bei Milch zu einer Versicherungsprämie von monatlich 3,20 Euro zu kaufen. Die Summe mag zwar auf den ersten Blick nicht hoch sein, doch lohnt sich diese Investition für den Verbraucher nur, wenn der Gegenwartswert der erwarteten Versicherungsleistung höher als die zu zahlende Versicherungsprämie ist.

Nehmen wir an diese Risiken sind ernst zu nehmen, dann dürfte die rationale Herangehensweise an dieses Problem zum einen darin bestehen, Maßnahmen gegen diese Risiken zu treffen. Also könnte die Familie einfach den Milchkonsum reduzieren, auf andere Nahrungsmittel zurückgreifen und damit ihre Abhängigkeit von der Milch reduzieren. Lohnt sich dennoch eine Versicherung zur Reduzierung des Restrisikos? Ein Blick in die Vergangenheit zeigt jedoch, dass das Risiko von Lieferengpässen nahe null sein dürften. Seit Jahrzehnten gab es in der Bundesrepublik keine leeren Milchregale. Sich gegen dieses unwahrscheinliche Ereignis und dessen Folgen für den familiären Speiseplan zu versichern erscheint selbst für extrem risikoscheue Menschen irrational.

Lohnt sich vielleicht eine Versicherung gegen die Milchpreisschwankungen. Auch hier zeigt der Blick in die Vergangenheit, dass die durchschnittlichen Preisbewegungen von Milch für eine vierköpfige Familie mit einem Milchverbrauch von zwei bis drei Litern wohl kaum ein Grund für den Kauf einer Versicherung sein dürften, die täglich mit rund 10 Eurocent zu Buche schlägt. Weder schwankten die Milchpreise stärker als die Preise aller Lebensmittel noch liegt im langfristigen Trend etwas anderes Bedrohliches in der Entwicklung der Milchpreise. Die offizielle Statistik zeigt sogar, dass die Preise der Milch geringer als die Preise aller Lebensmittel und weitaus weniger als der Preisindex der Lebenshaltung angestiegen ist. Preissprünge sind offenbar historisch nicht einmalig und haben weder den Speiseplan deutscher Familien, noch die Wahrung der Volksgesundheit vor unlösbare Herausforderungen gestellt.

Letztlich verbindet der Bauernverbandspräsident mit seinem Versicherungsvorschlag auch ein Versprechen, dass er nicht annähernd in der Lage ist verlässlich einzulösen. Schließlich hängen die Milchpreise vom Milchangebot auf dem Weltmarkt und dieses beeinflussenden Kostenfaktoren ab, auf dem die deutschen Bauern nur ein Teil des Angebots stellen. Kein Mensch würde jedoch bei einem Versichungsanbieter eine Versicherung kaufen, wenn diesem Vertrag nicht auch eine garantierte Leistung gegenüber stehen würde.

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