Hat der Rauch sich schon verzogen?

Nicht ganz, und das ist gut so. Trotz des Rauchverbots in Restaurants und Kneipen scheint der zivile Ungehorsam in dieser Angelegenheit ungebrochen. Es zeigt sich, dass Nichtraucher und Raucher nach wie vor in der Lage sind ohne oder besser trotz staatlicher Reglementierung konfliktträchtige Situationen im öffentlichen Leben von ganz allein kooperativ zu lösen.

Passend zu diesem Thema ist in der aktuellen Ausgabe von Econ Journal Watch ein interessanter Aufsatz zur Genese und zum intellektuellen Umfeld der wissenschaftlichen Begleitforschung zum Rauchverbot abgedruckt. Michael L. Marlow, Ökonomie-Professor an der California Polytechnic State University in San Luis Obispo, beschreibt in „Honestly, Who Else Would Fund Such Research? Reflections of a Non-Smoking Scholar“ wie schwer es für Wissenschaftler geworden ist, auf dem Feld der Nutzen-Kosten-Analyse von Rauchverboten unvoreingenommene und den Regeln wissenschaftlicher Arbeit verpflichtete Forschung durchführen und veröffentlichen zu können. Neben einer entlarvenden Nabelschau der Forschungslandschaft, in der Forschungsergebnisse weniger nach ihrer Methodik, logischen Konsistenz und empirischen Gehalt, sondern eher danach bewertet werden, von wem sie finanziert und ob sie zum „richtigen“, eine Regulierung stützenden Ergebnis gekommen sind, präsentiert er einige Ergebnisse seiner empirischen Forschung im Kontext von Rauchverboten:

  • Umfrageergebnisse in den USA zeigen, dass Restaurantbetreiber auch ohne gesetzliches Rauchverbot Nichtraucherrestaurants einrichten oder für rauchfreie Zonen sorgen. Fast ein Viertel aller befragten Wirte reserviert mindestens drei viertel der Plätze für Nichtraucher.
  • Wirte mit einem geringeren Anteil rauchender Gäste sorgen für einen besseren Nichtraucherschutz (mehr Nichtraucherplätze, bessere Entlüftung u.a.).
  • Wirte mit einem höheren Raucheranteil unter den Gästen erwarten durch Rauchverbote höhere Verluste als Wirte deren Gäste zum überwiegenden Teil Nichtraucher sind.
  • Wirte passen Preise, Löhne, Öffnungszeiten und andere Geschäftstätigkeiten an die Einführung von Rauchverboten an, was mit Konsequenzen für Angestellte und Gäste verbunden ist.
  • Rauchverbote unterliegen selten einer strengen Kontrolle. So hielten sich 10% aller kalifornischen Bars im Jahr 2001 nicht an das Rauchverbot und 2003 kamen in Los Angeles ganze 24% den Auflagen nicht nach.
  • Kneipen und Bars erleiden mehr Schaden als Speiserestaurants, weshalb auch relativ wenige Kneipen und Bars freiwillig dem Rauchverbot nachkommen bzw. eine Raucherzone einrichten. 92% der Kneipenbesitzer erlaubten das Rauchen. Kneipen klagen doppelt so häufig über wirtschaftliche Nachteile durch ein Rauchverbot.
  • Da Rauchverbote vor allem in Regionen eingeführt werden in denen ohnehin weniger Raucher leben ist davon auszugehen, dass die Schäden dort geringer ausfallen als in Gegenden in denen mehr Raucher leben. Die Wahrscheinlichkeit der Einführung eines Rauchverbots steigt mit dem Anteil der nichtrauchenden Bevölkerung, so dass Rauchverbote zumeist dort eingeführt werden, wo auf Seiten der Gastronomie bereits freiwillige Vorkehrungen für den Nichtraucherschutz in der Umsetzung waren (Raucherzonen, Be- und Entlüftung etc.).

Marlows Schilderungen belegen erneut, dass es den Verantwortlichen hinter der Raucherregulierung und den in diesem Prozess aktiven Interessengruppen weniger um eine ausgewogene Bewertung der Situation und auch nicht zwangsläufig um die Suche nach einer wirksamen Lösung der mit dem Rauchen verbundenen Gesundheitsprobleme geht. So zeigt sich, dass Rauchverbote nicht immer und überall zu einer Reduzierung des Tabakkonsums, sondern teilweise sogar zur Wahl von Tabakwaren mit höherem Nikotingehalt führen, Erkenntnisse, die in eine staatliche Regulierung stützenden Studien systematisch ausgeblendet werden.

Letztlich scheint hinter der staatlichen Intervention ein Misstrauen in die Fähigkeit von Individuen und Unternehmen zur Suche nach zufrieden stellenden Marktlösungen, ein Misstrauen gegenüber dem verantwortlichen Handeln von Menschen, letztlich ein Misstrauen gegenüber individueller Freiheit zu stehen. Insofern ist das Brenzlige an diesem Thema weniger der erbittert geführte Kampf gegen den gesundheitsschädigenden Tabakkonsum, es ist die schleichende Erosion unserer Freiheit.

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