Über einen Kamm geschoren

Unter Ökonomen gelten ordnungsrechtliche Auflagen als ineffizient, weil bei der Wahl von Grenzwerten keinerlei Rücksicht auf unterschiedliche Kosten der Einhaltung der Regeln zwischen den einzelnen Betroffenen genommen werden. So auch in der Klimaschutzpolitik, bei der etwa in Form des Energieeinsparverordnung (EnEV) deutschlandweit einheitliche Anforderungen an den Wärmeschutz von Gebäuden und ihren Bauteilen festgesetzt werden. An jedes Gebäude, egal an welchem Standort es in Deutschland gebaut wurde, werden die selben Anforderungen gestellt.

Doch zeigt eine nähere Betrachtung der Heizenergieverbräuche deutscher Wohngebäude, dass der Heizenergieverbrauch innerhalb Deutschlands nicht nur von der unterschiedlichen Qualität der Bausubstanz und der Heizungstechnik abhängig ist, sondern auch durch die klimatischen Bedingungen am Standort beeinflusst wird. So illustriert die folgende Abbildung, dass sich die Verteilung der durchschnittlichen Heizenergieverbräuche von Mehrfamiliengebäuden in 128 deutschen Städten deutlich ändern würde, nähme man an, die Gebäude würden (klimabereinigt nach Heizgradtagen) alle in Berlin stehen.

Man kann nicht nur erkennen, dass wegen des doch vergleichsweise ungünstigeren Berliner Klimas der Heizenergieverbrauch höher wäre, sondern auch eine Ahnung davon bekommen, wie wenig sinnvoll es ist Deutschlands Gebäude in Energiebelangen über einen Kamm zu scheren. Ganz offensichtlich bringt es höhere Energiespareffekte, wenn die Gebäude primär in kühleren Gegenden gegen Wärmeverluste geschützt, in wärmeren Gegenden jedoch geringere Anforderungen an den Wärmeschutz gesetzt werden. Hier mehr, dort weniger Wärmeschutz würde knappe ökonomische Ressourcen insgesamt zu einem sinnvolleren Einsatz bringen. Doch lässt sich dieses Ergebnis nicht mit einheitlichen Baustandards, sondern nur mit einer gleichmäßigen Belastung der Kohlendioxidemissionen des Brennstoffverbrauchs in Form einer Abgabe erzielen. Dann würden die Wärmeschutzmaßnahmen zur Emissionsreduktion dort erfolgen, wo sie den größten Effekt brächten, dort jedoch unterlassen, wo sie genauso teuer wären, aber wenig Heizkostenersparnis versprächen.

Lesetipp: David D. Friedman: The Economics of Heating

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