Milchmädchenrechnung

Foodwatch und SPON haben die Schuldigen der Milchpreismisere deutscher Bauern aufs Korn genommen. Nicht nur die Discounter sind die angeblichen Ganoven, nein, auch die Molkereien frönen dem „Raubtierkapitalismus“ mit hohen Handelsspannen. So schreibt SPON, dass beim gegenwärtigen Ladenpreis von 1,19 Euro mindestens 60 Eurocent beim Bauern ankommen müssten. Logische Schlußfolgerung: Man solle zur Bio-Milch greifen, weil diese eine vermeintlich bessere Relation von Milchpreis für den Bauern und Ladenpreis aufweise. Doch ist das tatsächlich so?

Es ist richtig, dass Bio-Milch aufgrund höherer Produktionskosten nicht so günstig am Markt zu haben ist. Doch liegen die Preise, die von den Konsumenten für Bio-Milchprodukte zu zahlen haben, in aller Regel deutlich über dem Ladenpreis konventioneller Produkte, zumeist auch des Hochpreissegments. Mangels Verfügbarkeit einer aktuellen Ladenpreisstatistik bleibt es dem Leser überlassen, den heutigen Lebensmitteleinkauf für einen Preisvergleich zwischen hochpreisiger Milch und Bio-Milch zu nutzen. Tatsächlich erhielten selbst Biobauern im März dieses Jahres mit durchschnittlich 50 Eurocent nicht den von SPON geforderten Preis und das, obwohl die Bio-Milch ausschließlich das Hochpreissegment abdeckt. Generell ist davon auszugehen, dass die Marktspanne im Bio-Milchsegment höher als im konventionellen Milchsegment liegt, handelt es sich doch hier im wesentlichen um eine Form der Preisdifferenzierung, mit die höhere Zahlungsbereitschaft der Konsumenten für Produkte mit einer höheren, mehr oder weniger objektiv begründbaren Qualitätsassoziation abgeschöpft werden kann.

Eine moralbeladene Diskussion über „faire“ Preise als Vehikel für den Absatz von Bio-Lebensmittel zu nutzen dürfte zwangsläufig ins Leere gehen. Es ist nichts gegen einen Wettbewerb um die Kunden zwischen den Marktsegmenten einzuwenden, wer Bio essen möchte, soll Bio kaufen können. Doch sollte er sich mit den richtigen Argumenten zu dieser Wahl durchringen. Welche berechtigt sind und welche nicht, kann man sehr fundiert in dem Buch “Biokost & Ökokult. Welches Essen ist wirklich gut für uns und unsere Umwelt” von Dirk Maxeiner und Michael Miersch nachlesen.

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