Experten in der Armutsfalle

„Gesundheitsexperten“ werden nicht Müde moderne Zivilisationskrankheiten auf Armut zurückzuführen. Jedenfalls lautet auch heute wieder ein Aufmacher im Ärzteblatt: „Armut als Schlaganfallrisiko“, gefolgt von „Wohlstand schützt vor Schlaganfällen im jüngeren Lebensalter“. Doch was haben die Experten da in Wirklichkeit herausgefunden? Ein Blick in die Pressemitteilung der American Heart Association bringt folgendes zu tage:

Researchers found that the 10 percent with the lowest wealth had three times the stroke risk at age 50 to 64, compared with those in the 75-89th percentile. However, at age 65 and older, stroke risk was not significantly different between the two wealth groups for men or women.

Lower wealth, income and education in those age 50-74 were associated with a higher prevalence of high blood pressure, smoking, low physical activity, excessive weight, diabetes and heart disease – all risk factors for stroke.

Although higher education predicted a lower stroke risk among 50 – 64-year-olds, the risk was not significant after the researchers adjusted for income and wealth.

Education was not associated with lower stroke risk after age 65.

Diesen Ergebnissen kann man im wesentlichen entnehmen, dass die Schlaganfall-Risikofaktoren Bewegungsarmut, Übergewicht und Rauchen und folglich Diabetes und Herzkrankheiten eher in ärmeren Bevölkerungsschichten verbreitet sind. Eine Kausalität zwischen Armut und Schlaganfällen ist jedoch pure Spekulation, zumal nicht einmal gezeigt werden kann, wie es sich genau mit der Beziehung zwischen den Risikofaktoren und der Vermögens- und Einkommenssituation verhält. Indes schlussfolgern die Autoren:

“Lack of material resources themselves, and particularly wealth, appear to strongly influence people’s chances to have a first stroke,” Avendano said. “From a public health perspective, this would mean that diminishing the large wealth gap at age 50-64 also could help diminish the large disparities in stroke. However, diminishing wealth inequality requires transforming structural policies beyond the healthcare system that aim to redistribute income and wealth to benefit the most disadvantaged members of society.”

So einfach scheint die Lösung der Gesundheitsprobleme: Einfach durch Umverteilung ärmere Bevölkerungsschichten reich machen, was diese wie von Geisterhand dazu bringt, mehr Sport zu treiben, weniger zu essen, zu trinken und zu rauchen.

Eigenartig, schließlich braucht man für mehr Bewegung wenig Geld und bestenfalls etwas mehr Zeit. Weniger essen, trinken und rauchen sind ebenfalls gut für die Geldbörse. Verhaltensweisen also, die arme Menschen nicht gerade über ihre Verhältnisse leben lässt. Doch was, wenn die mangelnde Fähigkeit zur Überwindung, fehlende Disziplin und lückenhaftes Wissen über die gesundheitlichen Konsequenzen der Völlerei ein generelles Problem und damit ein Grund für die geringere Fähigkeit zur Schaffung von Wohlstand in den betroffenen sozialen Gruppen ist? Dann wäre Bildung und nicht Umverteilung eine Präventionsstrategie, die sowohl die Voraussetzung für eine bewusstere Lebensführung als auch bessere Chancen am Arbeitsmarkt und mehr Wohlstand schaffen würde. Doch das wäre keine Botschaft, die eine vom Sozialneid zerfressene Leserschaft zufrieden stellen würde.

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