Wohlstand als gesellschaftliche Krise?

Das Ärzteblatt berichtet heute von der Stagnation bzw. dem Sinken der durchschnittlichen Lebenserwartung in einkommensschwächeren Regionen der USA und zitiert zu dessen Ursachen einen Wissenschaftler der Harvard School of Public Health in Boston:

Den Anstieg der Mortalität in einigen Regionen führt Ezzati auf Krebserkrankungen, Diabetes und chronisch-obstruktive Lungenerkrankungen (COPD) zurück, die als Folgen eines ungesunden Lebensstils mit Übergewicht, Bewegungsmangel und Rauchen zunehmen. Auch der ansonsten in den USA anhaltende Trend zu weniger Herz-Kreislauf-Erkrankungen sei in den Regionen mit der geringsten Lebenserwartung abgeschwächt, erläutert Ezzati. In einigen Gebieten seien bei Männern auch Aids und Tötungsdelikte für die hohe Mortalität mitverantwortlich.

Etwas verwunderlich ist jedoch folgende gesellschaftliche Interpretation der Ergebnisse durch den Wissenschaftler:

Ezzati betrachtet die Trendwende seit den 80er-Jahren als Zeichen einer tiefgreifenden Krise der US-Gesellschaft und vor allem des Gesundheitswesens.

Derartige Äußerungen passen offenbar immer, auch wenn sie keinerlei sinnvollen Erklärungsgehalt besitzen. Schließlich handelt es sich bei den oben genannten Mortalitätsursachen fast ausnahmslos um sogenannte Wohlstandskrankheiten, die eher Ausdruck eines unvorteilhaften Umgangs mit den Möglichkeiten eines steigenden Lebensstandards als einer gesellschaftlichen Krise sind. Die Aussage zur Mortalität durch AIDS bezw. Tötungsdelikte bringt ohne eine Angabe zur relativen Inzidenz bzw. Deliktrate keine verwertbare Information.

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