Verführerisch, rein und unschuldig

So erscheint vielen der weltweit an Akzeptanz gewinnende Sozialismus. Hannes Stein fasst die Gründe für das Erstarken dieser Wohlfühlreligion in der Welt-Online recht treffend zusammen:

Dafür [den Wiederaufstieg des Sozialismus] gibt es – mindestens – drei Gründe. Erstens hört das Versprechen des Sozialismus nicht auf, verführerisch zu sein. Es ist ja einfach wahr, dass der Kapitalismus außer enormem Reichtum auch soziale Gegensätze produziert; dass dieses Wirtschaftssystem ungebildeten Rotzlichtern gestattet, Milliarden zu scheffeln; dass es in unregelmäßigen Abständen von Krisen geschüttelt wird wie von Fieberschüben; dass die auf Eigentum basierende Marktwirtschaft sich ideologisch nicht rechtfertigen kann. Sie funktioniert halt, das ist alles. Niemand hat sie sich ausgedacht, niemand hat sie mit dem Hinweis auf hehre Ideale unter enormen Opfern eingeführt.

„Kapitalismus“ ist schlicht der Sammelbegriff für das, was die Leute von selbst praktizieren, sobald es bürgerliches Eigentum gibt und man sie wirtschaften lässt. Antriebsmotor ist hierbei bekanntlich der schiere Eigennutz. Der Sozialismus dagegen glänzt durch Edelmut. Er tönt, dass er alle Ungerechtigkeiten beseitigen wird (wenn schon nicht auf einen Schlag, so doch nach und nach). Er verfügt auch über eine ordentliche, ganz und gar wasserdichte Theorie – anders als der Kapitalismus, den noch nicht einmal die Wirtschaftswissenschaftler so recht kapieren.

Zweitens ermöglichen die sozialistischen Theorien (allen voran der Marxismus) denen, die an sie glauben, ungeheuer viel zu verstehen, ohne dass sie ungeheuer viel studieren müssten. An allem Elend sind im Zweifel die sozialen Verhältnisse schuld. Die Geschichte der Menschheit ist eine Geschichte von Klassenkämpfen. Das Ende der kapitalistischen Ausbeutung wird die gesellschaftlichen Produktivkräfte freisetzen. Für Dichter und Denker ist eine solche Ideologie so etwas wie der Stein der Weisen, mit dessen Hilfe es möglich wird, Dreck in Gold zu verwandeln. Man muss lediglich eine Dogmatik beherrschen, die man sich im Laufe eines Nachmittags aneignen kann – diese Sammlung von Lehrsätzen erweist sich dann als Simsalabim, vor dem sich die Tore zu den intellektuellen Schatzkammern dieser Erde auftun. Das lästige Herumrecherchieren, das Stochern in banalen Fakten entfällt. (Man darf es als „Positivismus“ sogar von Herzen verachten.) Der Sozialismus verspricht, er werde jedes Problem unter der Sonne lösen; deswegen ist jedes Problem auch von seiner hohen Warte aus erklärbar, ohne dass es weiteren Nachdenkens bedürfte.

Via FDOG.

Eine Antwort zu “Verführerisch, rein und unschuldig

  1. sletsam. obwohl er vor blut trieft und alles andere als unschuldig ist.

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