IPRI Report 2008: Kooperation braucht Eigentum

Der Schutz privater Eigentums- und Verfügungsrechte ist eine wichtige Voraussetzung für individuelle Freiheit, Sicherheit, Wohlstand und damit für eine dynamische wirtschaftliche Entwicklung der Gesellschaft. Ohne sichere Eigentumsrechte ist es für jeden Einzelnen nicht möglich die Früchte seiner individuellen Leistung voll zu genießen. Läuft er doch Gefahr, dass seine Mitmenschen ihm diese eigennützig oder auch in bester Absicht zum Nutze des Gemeinwohls streitig machen. Eine moralische Bewertung der damit verbundenen Konsequenzen erscheint schwierig, gibt es doch eine breite Spanne von Standpunkten über das was Menschen als faires Ergebnis individuellen Handels interpretieren. Daher fällt es schwer, den Schutz von Eigentums- und Verfügungsrechten auf einen moralischen Grundkonsens der Gesellschaft gründen, vielmehr bedarf es einer Vernunftperspektive, die verdeutlicht, dass der Schutz von Eigentum die faktische Voraussetzung für eine funktionierende Gesellschaft ist.

Wirtschaftliche Entwicklung setzt das produktive Engagement des Einzelnen voraus, Produktion in der Hoffnung auf Konsum und Ersparnis, die eine Zukunftssicherung ermöglicht. Doch wer ist produktiv und spart, wenn die Ernte der Früchte dieser Handlungen nicht sicher oder der individuell verfügbare Anteil unangemessen klein ist? Nächstenliebe und gesellschaftliches Verantwortungsbewusstsein der meisten unserer Mitmenschen können nicht darüber hinweg täuschen, dass Eigennutz nach wie vor ein dominierendes Handlungsmotiv ist. Zu groß ist die Versuchung, sich unverdientermaßen ein ordentliches Stück vom Ergebnis der Arbeit anderer abzuschneiden. Bleibt der Schutz des individuellen Eigentums auf der Strecke lohnt nur der nötigste individuelle Einsatz, nur die unvermeidbare Ersparnis. Investitionen in die Zukunft bleiben auf der Strecke. Der auf Handel, Arbeitsteilung und Spezialisierung basierende Wohlstand der Gesellschaft kann vom Eigennutz seiner Mitglieder nur profitieren, wenn der Einzelne vom Zugriff seiner Mitmenschen hinreichend sicher ist. Kooperation bedarf Privatsphäre.

Vor diesem Hintergrund hat sich die Property Rights Allianz, der auch das Institut für unternehmerische Freiheit in Berlin angehört, zur Aufgabe gemacht, die institutionellen Vorraussetzung des Schutzes physischer und intellektueller Eigentumsrechte im internationalem Vergleich zu dokumentieren und in Relation zu den Erfolgen der einzelnen Länder in ihrer wirtschaftlichen Entwicklung, individueller Freiheit und Chancengleichheit zu stellen. In diesem Jahr liegt der zweite wesentlich umfangreichere Bericht für 115 Staaten aller Erdteile vor. Neben Indikatoren für den Schutz physischer und intellektueller Eigentumsrechte steht auch die rechtliche und politische Situation im Fokus der Analyse. Eine unabhängige und vertrauenswürdige Gerichtsbarkeit, politische Stabilität und eine wirksame Korruptionskontrolle bilden die institutionellen Voraussetzungen für den Schutz physischer Eigentumsrechte, der nicht nur die Früchte der eigenen Leistung sichert, sondern auch Sicherheiten für den Zugang zur Finanzierung wirtschaftlicher Aktivitäten mit Fremdkapital gewährleistet. Schließlich ist die Sicherung intellektuelle Eigentumsrechte durch einen angemessenen Patentschutz und Schutz von Urheberrechten und Handelsmarken eine wichtige Voraussetzung für eine rentable Verwertung von Produkten und Dienstleistungen. Der Property Rights Index basiert auf Expertenbefragungen der Weltbank, des Weltwirtschaftsforums und verschiedener Handelsorganisationen zu diesen Einzelindikatoren und erlaubt neben einem internationalen Gesamtvergleich auch eine Detailbetrachtung der institutionellen Gegebenheiten in den einzelnen Ländern.

Finnland und Bangladesh markieren die beiden Extrempunkte des internationalen Ranking. Mit 8,6 von 10 Punkten genießt der Schutz von Eigentumsrechten in dem wohlhabenden Industrieland Finnland (2006 – BIP (PPP) pro Kopf: 35600 $) eine ungleich höhere politische Priorität als in dem als eines der ärmsten Länder der Erde geltenden Bangladesh (2006 – BIP (PPP) pro Kopf: 2130 $), dessen Gesamtindex von lediglich 2,9 eklatante Mängel der institutionellen Rahmenbedingungen erkennen lässt. Während politische Unsicherheit und Korruption das Wirtschaftsleben in Bangladesh fesselt genießen die Bewohner Finnlands ein solides Rechtssystem, politische Kontinuität, sicheres Eigentum und den Schutz der Produkte ihrer geistigen Kreativität. Generell lässt sich ein deutlicher Zusammenhang zwischen dem Ranking der Länder im IPRI und dem Wohlstand seiner Bevölkerung ausmachen. So weisen die oberen zwanzig Prozent (oberstes Quintil) der untersuchten Länder ein durchschnittliches Pro-Kopf-Einkommen von 35638 $ pro Jahr auf. Die Bewohner der am schlechtesten abschneidenden Länder (unterstes Quintil) müssen dagegen mit durchschnittlich 3817 $ im Jahr auskommen. Es existiert eine hohe, statistisch signifikante und erklärungsstarke Korrelation zwischen dem Schutz von Eigentumsrechten und dem Pro-Kopf-Einkommen, wobei ein Zuwachs im Ranking von einem Punkt ein Einkommenszuwachs von 7616 $ pro Kopf und Jahr verspricht.

Auch Deutschland macht im internationalen Ranking mit 8,3 Punkten gemeinsam mit Norwegen, Dänemark und den Niederlanden auf dem zweiten Platz eine gute Figur. Im Vergleich zum Spitzenreiter sind bei allen drei Einzelindikatoren nur leichte Abstriche zu machen. Nicht von ungefähr bilden diese günstigen institutionellen Gegebenheiten eine Voraussetzung für das im internationalen Vergleich vergleichsweise hohe Wohlstandsniveau der Deutschen (2006 – BIP (PPP) pro Kopf: 31390 $).

Die vorliegende Untersuchung liefert klare Belege für einen engen Zusammenhang zwischen stabilen eigentumsrechtlichen Rahmenbedingungen und ökonomischer Entwicklung. Armut und Unterentwicklung sind nicht primär die Folgen des häufig beklagten Mangels an Kapital und Qualifikation. Vielmehr sind dies die bedauerlichen Symptome einer instabilen und korrupten Politik, die individuelle Rechte und privates Eigentum weder respektiert noch ihrer diesbezüglichen Schutzfunktion hinreichend nachkommt. Permanente Sorgen um die Früchte der eigenen Anstrengungen kosten Kraft und hemmen die Leistung und Kreativität der betroffenen Menschen. Ohne die Beachtung dieser Zusammenhänge lässt sich wirtschaftliche Prosperität weder erreichen noch erhalten. Daher verdeutlicht dieser Report nicht nur das politischen Notwendige in den armen Ländern dieser Erde. Auch der erreichte Wohlstand steht ohne ein stabiles eigentumsrechtliches Fundament auf dem Spiel.

Eine Antwort zu “IPRI Report 2008: Kooperation braucht Eigentum

  1. Auch bei Eigentumsrechten gibt es gegenläufige Effekte. Wenn sich zum Beispiel alles Eigentum in der Hand eines Besitzers befindet, der die Konditionen zu dessen Nutzung vorgeben kann, hat er damit eine so umfassende Macht, dass er dem Eigentum aller anderen schadet. Was bringt der höher entlohnte Job, wenn vom Zugewinn 90% automatisch zum Begleichen der Mieterhöhung des allen Grund und Boden besitzenden Landlords verwendet werden müssten?

    Ein Beispiel aus der Realität wären Softwarepatente. Hier kann über eine Form des Eigentums eine kalte Enteignung der Softwareproduzenten durchgeführt werden.

    Die Behauptung „Maximaler Eigentumsschutz ist immer gut“ stimmt also nicht, es gibt einen Punkt, wo die Sache zu kippen beginnt.

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