Nokia-Boykott: Dummheit zahlt sich nicht aus

Politiker, Gewerkschafter und andere, sich rechtschaffen nennende Bürger fordern ein Nokia-Boykott. Ganz abgesehen von der intellektuellen und moralischen Dürftigkeit dieses Unterfangens, würde es überhaubt etwas nützen?

Im letzten IFRS-Quartalsbericht mit den Vergleichswerten zum Vorjahresultimo weist die Mobilfunksparte von Nokia für ganz Europa einen Anteil am Umsatz von 38 % und einen Operating Profit von 22,6 % aus. Selbst wenn Deutschland in ganz Europa einen Anteil von 20 % haben sollte, dann wären wir gerade einmal bei 7,6 % am weltweiten Umsatz für die Nokia-Mobilfunksparte. Und wenn durch den Boykott 10 bis 20 % weniger verkauft werden, ergibt sich ein kurzfristiger Umsatzrückgang von gerade einmal 1,5 %. Wenn ich nun berücksichtige, dass die Mobilfunksparte von allen Nokia-Geschäftsfeldern nur 48 % ausmacht, dann ergibt sich ein kurzfristiger Umsatzrückgang von gerade einmal 0,7 %. Na und? Das ist weniger als die normalen Schwankungen des Geschäftsverlaufs. Das hat man nach der Verlagerung schnell wieder drin. Gute Risikostreuung.

Daran sieht man einmal, wie populistisch und ökonomisch inkompetent unsere Politiker, Gewerkschafter und die aufgebrachte Bevölkerung sind. Nokia hat ökonomisch rational gehandelt, so wie es jeder von uns auch täte. Egal, ob Sozialhilfeempfänger oder Topverdiener.

Weitere Informationen und Kommentare beim Handelsblatt.

Gastkommentar von Gero Pischke

4 Antworten zu “Nokia-Boykott: Dummheit zahlt sich nicht aus

  1. > Nokia hat ökonomisch rational gehandelt, so
    > wie es jeder von uns auch täte. Egal, ob
    > Sozialhilfeempfänger oder Topverdiener.

    Sehe ich etwas anders. Man muss nicht zwangsläufig jeden Steuertrick ausreizen, nicht nach jedem kleineren Auffahrunfall mit schmerzverzerrtem Gesicht an die eigenen Halswirbel fassen und was von Schleudertrauma murmeln und auch nicht immer und in jeder Lage jeden Preis so weit herunterdrücken, wie es geht. Ich jedenfalls mache es nicht so, und ich kenne andere Leute, die es auch nicht so handhaben.

    Die Aufregung im Fall Nokia kann ich übrigens nur begrüßen, ich bin sogar der Ansicht, dass wir noch viel mehr solche Ereignisse brauchen. Gerade Großkonzerne denken schlicht und einfach praktisch ausschließlich an die optimale Gewinnoptimierung, und werden in der Regel dafür wirklich ALLES tun. Inklusive Umweltverschmutzung, Menschenrechtsverletzungen und Bestechung.

    Je häufiger solche Nokia-Fälle vorkommen, desto eher wird die Bevölkerung begreifen, dass sich diese Art von Subventionierung nicht auszahlt. Dafür nehme ich auch in Kauf, wenn die Leute sich etwas übermäßig aufregen. Kein Grund, mit Beschimpfungen um sich zu werfen.

  2. Doch Dummheit zahlt sich aus. Sieht man doch: überhaupt!

  3. Zum Artikel:

    Hoffen wir mal, dass nicht die falschen Leute auch auf diese Rechnung kommen. Denn dann wird womöglich noch ein gesetzliches Verbot von Nokia-Handys in Deutschland gefordert, wer weiss?

    Ich kann die Entscheidung des Unternehmens absolut nachvollziehen. Die Art und Weise, wie die Mitarbeiter darüber informiert worden sind ist allerdings mehr als schäbig.

    Zu ChristianS Kommentar:

    Wer nicht jeden Steuertrick ausreizt, der verschenkt ihm zustehendes Geld. Diese „Tricks“, zumindest muss man davon ausgehen, sind doch von der Steuergesetzgebung so vorgesehen. Was bitte ist daran verwerflich, sie zu nutzen, wenn man dazu berechtigt ist?

    Der Vergleich mit dem Unfall zieht nicht, weil dass Betrug ist.

    Wünschenswert fände ich es allerdings ebenfalls, wenn solche Fälle endlich dazu führen, dass diese Subventioniererei endlich ein Ende hätte. Der Glaube daran fehlt mir allerdings, dazu schreien wir in Deutschland viel zu schnell gleich wieder nach dem Staat, wenn z.B. „zu viele“ Unternehmen sich in (subventionierenden“ Nachbarländern ansiedeln, statt bei uns.

  4. Die jetzigen populistischen Aktionen unserer rotbemützten Trillerpfeifen (einschl. ewiggestriger Gewerkschafter und Politiker) werden die Attraktivität Deutschlands als Standort sicher nicht erhöhen. Interessierte Investoren werden das sicher wahrnehmen.

    Insofern könnte ich sehr gut verstehen, dass die Nokia-Führung die Absichten so spät wie möglich bekannt gemacht hat, auch wenn es für die Betroffenen ärgerlich ist. Aber wie hätten alle geschrien, wenn das kurz vor Weihnachten passiert wäre?

    Denken Sie bitte daran, dass so etwas weltweit und nicht nur in Deutschland passiert und zwar auch, wenn deutsche Unternehmen beteiligt sind. Die ökonomischen Gesetze gelten eben für alle. Und per Saldo profitieren wir alle: Gewinne, Innovationen, billige Produktpreise, steigender Wohlstand. Und das gilt ebenfalls weltweit.

    Hinsichtlich Menschenrechtsverletzungen, Umweltverschmutzung und Bestechung: Hören Sie die politisch korrekten Vorstände, wie sie sich gegenseitig mit Gutmenschen-Programmen überbieten. So etwas gehört wohl der Vergangenheit an, jedenfalls bei bedeutenden Firmen.

    Hinsichtlich der Subventionen haben Sie natürlich völlig recht. Aber aufregen sollten sich die Leute über Politiker und Gewerkschafter, die sich nicht auf die Schaffung neuer, sondern auf die Erhaltung wettbewerbsunfähiger Jobs konzentrieren und den Bürgern auch noch suggerieren, dass Unternehmen „sozial verpflichtet“ (Warum?) sind, lebenslängliche beamtenähnliche Arbeitsverhältnisse zu schaffen.

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s