Das Sushi und die Politik

Rekordpreise von 38.000 Euro für einen Thunfisch sind nicht nur das Ergebnis der allgemein wachsenden Beliebtheit von Sushi, sondern auch ein Zeichen des verfehlten Wirtschaftens mit einer sich nur in den Grenzen des biologisch Möglichen regenerierenden Ressource. Ungesicherte Eigentumsrechte und Subventionen tragen weltweit dazu bei, die ohnehin schon schwierige Koordination wirtschaftlicher Ansprüche an die gemeinsame Ressource Fisch in den Weltmeeren noch weiter zu verkomplizieren. Und so erinnert die Überfischung der globalen Thunfisch-Bestände daran, dass auch vor der eigenen Tür gekehrt werden muss.

So ist die Gemeinsame Europäische Fischereipolitik ein trauriges Beispiel für staatliche Interventionen, bei denen man ziemlich lange nachdenken muss, wem sie eigentlich langfristig nutzen. Wem sie nichts bringen, ist auf jedem Fall klar. Den Fischbeständen und den Konsumenten. Die einen werden extrem dezimiert und können sich immer langsamer erholen, der andere zahlt dafür. Sehr aufschlussreich sind vor allem die Regeln der gemeinsamen Marktorganisation der Fischerei und der Aquakultur. Während die eine Hand der Politik glaubt endlich mit zögerlichen Subventionskürzungen sowie zeitlichen und räumlichen Fangaufwandsbeschränkungen den Druck aus der Fischerei nehmen zu können, wird mit der anderen Hand ordentlich Geld für Aktivitäten ausgegeben, die es für die Fischereiwirtschaft attraktiv machen, sich an diesen Auflagen möglichst vorbei zu mogeln.

Fangquoten nutzen nicht viel, wenn sie keinerlei Garantien zur tatsächlichen Inanspruchnahme bieten. Wer hält sich an ein Recht, dass weder eingefordert werden kann noch gesetzlich geschützt wird. Aber auch andere Maßnahmen gegen die Überfischung funktionieren in dem Geflecht von Regulierung und finanzieller Marktintervention nicht. So führt eine Verkürzung der Fangsaison in der Regel zu einem erhöhten Angebot während der erlaubten Fangzeit und folglich sinkenden Marktpreisen. Das sollte die Lust auf die Jagd nach dem Fisch etwas dämpfen. Doch was macht die EU? Sie legt über dem Marktpreis liegende Interventionspreise fest und garantiert den Fischern eine vollständige Abnahme der Fänge zu diesem Preis. Und damit die mit der Vermarktung betrauten Erzeugerorganisationen mit dem temporären Überangebot keine Absatzprobleme bekommen, wirft die EU der Branche noch Subventionen für die Lagerung der Fänge hinterher. Was hält den Fischer davon ab, den Fisch mit mehr Fangtechnik jetzt vollständig in der kürzeren Zeit einzufangen? Nichts, denn der Preis stimmt ja trotzdem. Und damit den Fischern die Zeit über die lange Warterei auf die nächste Jagdsaison nicht zu lang wird und sie nicht etwa gezwungen sind Boot und Fangtechnik zu verschrotten und sich einen einträglicheren Job zu suchen, zahlt die EU dem sich an Land langweilenden Fischer noch ein ausreichendes Übergangsgeld. So kann er erholt, im vollen Jagdeifer die Plane vom Kahn nehmen und in der kommenden Saison wieder in See stechen. Erholen sich die Bestände nicht schnell genug, dann bleibt ja noch das subventionierte Wildern in internationalen Gewässern außerhalb der EU.

Politiker und Fischer glauben offenbar überall auf der Welt, was für die Landwirtschaft recht ist, kann für die Fischerei nur billig sein. Nur scheinen sie dabei zu übersehen, dass die Maßnahmen, die an Land zu viel „Bestandspflege“ und Überproduktion verursachen, im Wasser das Gegenteil bewirken. Der Bauer auf seiner Scholle weiß, dass vor dem Ernten die Aufzucht von Pflanzen und Tieren steht. Der Fischer auf dem Boot, weiß das eigentlich auch, aber Brüssels Interventionen lassen ihn immer wieder vergesslich werden. Wenns schief läuft denkt er wie alle: Papa Staat wird es schon richten. Nicht nur in Europa wird so gedacht. Nein, auch im fernen Japan. Noch schwirren in den politischen Köpfen die falschen Rezepte…

4 Antworten zu “Das Sushi und die Politik

  1. Schöner Kommentar, die Fischereipolitik der EU ist in der Tat ein gigantisches Desaster. Ich bin dafür, die Fangquoten komplett abzuschaffen. Sollen die Fischer doch auf alles feuern, was sich bewegt. Dann gibt es halt mal 40 Jahre praktisch keinen Fisch und keine Fischer mehr, und danach sollten sich die Bestände wieder erholt haben.

    Anders scheint es ja doch nicht zu gehen.

  2. Das Problem ist nur, dass die Jagd dann wieder von vorn beginnt. Island, Neuseeland, Kanada und andere zeigen aber schon heute, dass es mit handelbaren Fangrechten besser geht.

  3. Ja? Da wären mehr Informationen mal interessant. Was genau muss ich darunter verstehen? (Die von dir genannten von diversen Dritte-Welt-Staaten an die EU veräußerten lokalen Fangrechte meinst du ja offensichtlich nicht.)

    Wie ginge es denn richtig, und was macht man mit küstenferner Fischerei?

  4. Ich schicke dir von mir einen Aufsatz zum Thema per E-Mail.

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