Vom Bock zum Gärtner

Nachdem das erst mit öffentlichen Subventionen nach Bochum gelockte Nokia-Werk jetzt eine Standortverlagerung angekündigt hat, geht die Beschwerde über die Mitnahmementalität des Unternehmens quer durch die öffentliche Diskussion. Neben allerlei verbalen Attacken, die in der Titulierung „Subventionsheuschrecke“ gipfelten, will sich die nordrhein-westfälische Landesregierung jetzt offenbar auch als Unternehmensberatung betätigen und der Geschäftsleitung des Mobilfunkunternehmens einen Vorschlag unterbreiten, wie die Herstellungskosten in Bochum gesenkt werden könnten, um die Wettbewerbsfähigkeit zu stärken.

Da das Management von Unternehmen nicht gerade zur Kernkompetenz von Ministerpräsidenten gehört, ist zu erwarten, wie diese Art der Kostensenkung wohl aussehen wird. Mit einer ökonomischen Logik, die relativ niedrige durchschnittliche Lohnstückkosten als ausreichend für den Verzicht auf weitere Produktivitätssteigerungen ansieht, ist auf Märkten mit hartem Wettbewerb wahrlich kein Blumentopf zu gewinnen. Den sich bereits als sinnlos offenbarten Fördermitteln werden also mit hoher Wahrscheinlichkeit weitere folgen. Immerhin gilt es ja, Nokia von einer Kostenreduktion durch Standortverlagerung abzuhalten.

Das macht es zwar dem Unternehmen möglich einen Teil seiner Kosten auf den Staat und letztlich den Steuerzahler abzuladen und rettet der nordrhein-westfälischen Landesregierung in den Augen mancher das Gesicht, doch wird damit unterm Strich kein einziger Arbeitsplatz gerettet. Weder entstehen am potentiellen Standort in Rumänien neue Arbeitsplätze noch bewahrt es die Arbeitsplätze, die wegfallen, weil die Steuergelder statt in andere Verwendungen wieder in eine nicht wettbewerbsfähige Produktionsstätte fließen. Eher werden potentielle Arbeitsplätze und vor allem Einkommen aufs Spiel gesetzt, weil der Subventionsmotor Produktionsfaktoren in offensichtlich weniger produktive Verwendungen lenkt. Die einfachst Lösung fällt der Politik in diesem Falle nicht ein; eine Verbesserung der allgemeinen Standortqualität und Senkung der Standortkosten. Hier sollte sie ihre Managementqualitäten unter Beweis stellen.

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