Erstmals 100 Dollar für Öl?

Keine Panik, hatten wir alles schon. Schließlich lag der Ölpreis schon einmal im Jahr 1864 bei 104 US-$ und nach der iranischen Revolution sogar bei 104,7 US-$. Vielleicht sollte auch mal einer den in der Presse mahnenden DIW-Energieexperten sagen, dass es keinen Grund gibt über Energiemarktspekulationen die Nase zu rümpfen, weil Spekulanten eine sehr wichtige Funktion erfüllen. Sie kaufen Öl auf, wenn die Preise relativ zur erwarteten Marktsituation niedrig sind und verkaufen es in Phasen höherer Knappheit wieder. Von einer „Außerkraftsetzung der Marktgesetze“ kann also nicht die Rede sein. Ganz im Gegenteil, das belegt ihr Funktionieren und verhindert noch größere Ausschläge der Ölpreise. Was hält die Experten davon ab, ihr selbstbewusstes Wissen über spekulative und reale Nachfrage in blanke Münze umzuwandeln? Vielleicht geben sie doch insgeheim zu, dass ihre Äußerungen gerade gut genug für die Presse sind.

Auch deshalb sei man gewarnt auf die Hochpreisprognosen der Experten zu wetten. So gibt es Stimmen, die recht überzeugend mit einer alsbaldigen Angebotserhöhung argumentieren. Ansonsten sollte man sich bewusst sein, dass es langfristig weniger die Preise der primären Energieträger als vielmehr die Preise von Energiedienstleistungen in Relation zu den Preisen anderer Güter bzw. deren Kosten in Relation zum Gesamteinkommen sind, die den Verbraucher interessieren. Wir werden von einem Auto und nicht von einem Liter Benzin von A nach B transportiert und können deshalb auf spritsparende Fahrzeuge oder die Bahn umsteigen. Ein hoher Ölpreis signalisiert eigentlich nur, dass es mancherorts sinnvollere Verwendungen für das schwarze Gold gibt, als es durch den Tank eines SUV fließen zu lassen oder die verfügbaren Produktionsfaktoren zuweilen mit höherer Wertschöpfung als bei der Erdölexploration verwendet werden können. Für sich genommen ist das wenig besorgniserregend. Schließlich sind wir nicht nur durch die temporäre Anpassung an die hohen Preise geplagt, sondern profitieren von den Gütern, deren Produktion die Ölpreise nach oben treibt. Niemand wird behaupten, dass wir heute ärmer sind und weniger konsumieren als in vergangenen Zeiten niedriger Ölpreise.

Problematisch an dem Ganzen ist bestenfalls, dass unser Ölverbrauch mitunter korrupte Regime finanziert und mancherorts die Energienachfrage künstlich durch Subventionen in die Höhe getrieben wird. Hier gäbe es Handlungs- oder auch Unterlassungsbedarf.

2 Antworten zu “Erstmals 100 Dollar für Öl?

  1. Pingback: B.L.O.G. - Bissige Liberale ohne Gnade » Was kostet ein Ölpreisrekord?

  2. ich habe letztens gelesen der dollar preis soll bis ende des jahrhunderts auf 200 steigen. wer soll das noch bezahlen?

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