Saubere Subventionen?

Die Nutzung erneuerbarer Energieträger für die Erzeugung von Strom und Wärme steht hoch im Kurs der deutschen Klima- und Energiepolitik. Eine Vielzahl von Subventionsprogrammen und die Einspeisevergütung des EEG dienen dabei als Schrittmacher einer Entwicklung, von der sich viele mehr Klimaschutz, sichere Energieversorgung und mehr Arbeitsplätze erhoffen. Doch sind diese Hoffnungen gegenwärtig berechtigt?

Tatsächlich ist der Versuch mit einigen handverlesenen Technologien ein außerordentlich teurer Versuch die Treibhausgasemissionen der deutschen Volkswirtschaft zu reduzieren. Statt die Wirtschaft zur Senkung der Emissionen direkt mit Hilfe von Umweltsteuern zu motivieren und über deren Preiseffekte bei Anbieter und Nachfragern von Energie gleichermaßen die jeweils kostengünstigsten Vermeidungsmassnahmen anzuregen werden wertvolle Ressourcen in teuren, nicht marktfähigen Energietechnologien gebunden. Gegeben die täglichen Katastrophenszenarien des Klimawandels sollte die Bundesregierung alles andere im Sinn haben, als mit viel Aufwand wenig zu erreichen.

Es ist ohnehin zweifelhaft, ob die Förderung der Nutzung erneuerbarer Energieträger überhaupt als wirksame Klimapolitik gelten kann. Nicht nur, dass die Wechselwirkungen der EEG-Förderung und des europäischen Emissionshandels zu Scheineinsparungen der Emissionen führen, weil subventionierter Strom aus erneuerbaren Energieträgern zu einer Entknappung von Emissionszertifikaten und damit zu Mehremissionen aus fossilen Kraftwerken führt. Auch handelt es sich hierbei um Massnahmen, die allein die Nachfrage nach fossilen Energieträgern in Deutschland und Europa reduzieren und durch ihre Kosten Industrieproduktion ins Ausland verlagern oder gar die Anbieter von fossilen Energieträgern zu „Panikverkäufen“ ihrer Vorräte mit sinkendem Zukunftswert anregen könnten. Ein Blick in Umweltökonomische Gesamtrechnung des Statistischen Bundesamtes zeigt denn auch, dass die Reduktion der inländischen Kohlendioxidemissionen des letzten Jahrzehnts unter Berücksichtigung von Im- und Exporten nur rechnerische Augenwischerei ist. Schließlich impliziert die Förderung erneurerbarer Energieträger nichts anderes als einen ineffizient hohen volkswirtschaftlichen Ressourceneinsatz, den die übrige Volkswirtschaft im Zweifel durch einen höheren Einsatz von Energie substituieren muss. Stammt dieser aus fossilen Quellen schmälert sich die klimapolitische Habensseite der erneuerbaren Energieträger weiter.

Auch der Beitrag zur Sicherung der Energieversorgung ist fraglich, zumal Energiemärkte von sich aus auf die langfristige Verknappung von Energieträgern reagieren. Jahr für Jahr werden die Angaben über verfügbare fossile Energieträgervorräte nach oben korrigiert. Nicht weiter verwunderlich angesichts immer ausgefeilterer Explorationstechnik und der Tatsache, dass es für Rohstoffanbieter nicht rentabel ist, alle langfristigen Reserven auf einmal zu erkunden. In Anbetracht der enormen Energiemenge, die allein die Sonne zur Verfügung stellt, ist die physische Energieknappheit nahezu bedeutungslos. Allein die Kosten der Energieumwandlung bestimmen, auf welchem Wege wir unseren zukünftigen Energiebedarf decken. Der Markt sorgt dafür, dass bei sinkender Verfügbarkeit und steigenden Kosten der fossilen Brennstoffe ein Wechsel zu neuen Energieträgern erfolgt, wenn diese eine wirtschaftliche Alternative zu fossilen Energieträgern werden. Inzwischen suchen langfristig orientierte Energiedienstleister angesichts der mit steigenden Energiepreisen verbundenen Ertragsaussichten nach kostengünstigen Alternativen. Kurzfristige Preisschwankungen auf Energiemärkten können durch die im Weltmaßstab zu vernachlässigende Energieproduktion aus erneuerbaren Energieträgern in einer globalen Wirtschaft weder umgangen noch abgeschwächt werden.

Wenn nicht die umwelt- oder energiepolitischen Vorteile eine Förderung der erneuerbaren Energien adeln, lassen dann wenigstens die versprochenen Arbeitsplatzeffekte den erhofften volkswirtschaftlichen Nutzen erwarten? Keine der bisherigen Beschäftigungsstudien liefert ein wirklich belastbares Bild der Arbeitsmarktwirkungen. Entweder bleiben Arbeitsplatzverluste der verdrängten konventionellen Energieproduktion, der strompreisbedingten Nachfrageausfälle und der volkswirtschaftlichen Effizienzverluste der Finanzierung von Subventionen gänzlich unberücksichtigt oder die Schätzmodelle bilden ein methodisch wenig zufriedenstellendes
Gesamtbild der volkswirtschaftlichen Zusammenhänge ab. Somit ist auch der Beschäftigungseffekt unsicher. Überdies sind Arbeitsplätze, die zu Lasten der Produktivität des Faktoreinsatzes entstehen, langfristig mit Wohlfahrtsverlusten und einem abnehmenden Beschäftigungswachstum verbunden. Wenig einsichtig ist schließlich der Verweis auf positive Effekte für einheimische klein- und mittelständische Unternehmen oder die Exportbranche: Warum sollten Ertrags- und Arbeitsplatzgewinne in Unternehmen der Windenergiebranche höher zu bewerten sein als Absatz- und Arbeitsplatzverluste bei großen Energieversorgern und in anderen deutschen oder ausländischen Unternehmen.

Ein näherer Blick lässt von den vielen Versprechungen der Subventionierung erneuerbarer Energieträger also nicht viel mehr übrig als den faden Beigeschmack, dass Windmühlen & Co. vor allem zur Umverteilung von Wohlstand dienen.

IUF-Veranstaltung zum Thema „Saubere Subventionen – Förderung erneuerbarer Energieträger“, 29.01.2008.

7 Antworten zu “Saubere Subventionen?

  1. Die Förderung im Sinne des EEG ist aus mehreren Gründen sinnvoll:

    – Die Energieversorgung ist von zentraler Bedeutung. So ist es halt. Ohne ausreichende Energieversorgung bricht Deutschland zusammen, und zwar ziemlich schnell. Die meisten anderen Länder übrigens auch.

    – Der Markt hat zumindest erhebliche Schwierigkeiten, die Lage in 20 Jahren in seine Preisbildung einzubeziehen. Die Änderung von Versorgungsstrukturen im Energiebereich dauert andererseits aber Jahrzehnte.

    – Es gibt, wenn die fossilen Brennstoffe aufgebraucht sind, keine einzige weltweit akzeptable und bereits lauffähige Alternative zu den regenerativen Energien.

    Es ist eigentlich relativ leicht. Die Folgen einer Energiekrise wären so dramatisch, dass das Ereignis nicht eintreten darf. Dies ist von einer ähnlich hohen Relevanz, wie die Tatsache, dass es zu keinem Nuklearkrieg kommen darf.

    Selbst Ultra-Wirtschaftsliberale billigen dem Staat Souveränität zu, wenn es um die äußere und innere Sicherheit geht. Nun, die Energieversorgung ist genau so eine Frage. Der Staat darf sich hier vollkommen zu Recht einmischen.

    Dafür darf er auch in einem gewissen Maße übertreiben und von Szenarien ausgehen, die sich später als übertrieben pessimistisch erweisen. Sämtliche deutschen Verteidigungshaushalte der Nachkriegsjahre liefern hierfür ein äußerst anschauliches Beispiel.

    Der Markt kann in Deutschland eben nicht sicherstellen, dass im Falle einer zu drastischen und zu schnellen Energieverknappung der wirtschaftliche Zusammenbruch abgewendet werden kann. Das ist auch gar nicht seine Aufgabe, von einem Marktversagen kann hier also mitnichten die Rede sein! Ein Atomkrieg wäre ebenfalls kein Marktversagen, nur müssen solche Szenarien dennoch verhindert werden. Das ist die Aufgabe des Staates, und wir müssen ihm dabei in erster Linie so auf die Finger sehen, dass er diese Aufgabe gut macht.

    Regenerative Energien sind im Moment die einzige funktionierende Möglichkeit, um vollkommen unabhängig von fossilen Brennstoffen zu werden. Die Kernfusion wird ebenfalls gefördert, funktioniert aber noch nicht, und die letztlich ebenfalls endliche Atomenergie kann nur ein Notnagel sein. Plakativ gesagt: Wenn eine autarke Atomenergie die einzige wirtschaftliche Alternative ist, wie können wir dann vom Iran fordern, darauf zu verzichten? Die Frage ist auch deshalb relevant, weil sich dieses Grundproblem bei etlichen anderen Staaten der Region ebenfalls stellt.

    Die Umwelt- und Arbeitsmarkteffekte des Gesetzes für den Vorrang erneuerbarer Energien (EEG) mögen, sofern vorhanden, nicht unerwünscht sein, und in der öffentlichen Debatte von den Befürwortern auch gerne „mitgenommen“ werden, der zentrale Punkt sind sie aber dennoch nicht. Letztlich geht es bei diesem Gesetz im Kern nur um eine ziemlich gut ausgedachte Kombination aus Technologieförderung und gleichzeitiger Schaffung unabhängiger Energiereserven.

    Wenn man sich die Mechanismen des Gesetzes genauer anschaut, merkt man das auch. Zum Beispiel an den dort festgeschriebenen, Jahr für Jahr sinkenden Abnahmepreisen für Strom aus neu gebauten Anlagen. Wer 2008 eine Windkraftanlage fertigstellt, der erhält für deren Strom 2% weniger Förderung, als jemand, der dies 2007 tat. Dabei werden eventuelle Verluste durch Inflation nicht kompensiert, sprich, in Realpreisen sinkt die Förderung jährlich locker um drei bis vier Prozent. Mit anderen Worten, die Technologie hat einen zeitlich begrenzten Schutzraum zur Verfügung, um unter Marktbedingungen wirtschaftlich zu werden. Ich halte das für einen klugen Grundgedanken, weil man hier trotz der nationalen Sicherheitsinteressen und der angestrebten Technologieförderung immer noch die Kräfte des Marktes einbindet. Hier und da gibt es noch Nachjustierungsbedarf (als Beispiele seien die zu hohe Förderung von Photovoltaikstrom und die zu niedrige Förderung von Offshore-Windstrom genannt), aber wenn man das EEG als den Versuch betrachtet, eine Technologieförderung durch unabhängiges unternehmerisches Handeln zu gewährleisten, so ist das ganze sinnvoller, als etliche Alternativen.

  2. Ihre Statements sind nicht überzeugend, denn genau diese Argumente sind es, die hier kritisiert bzw. widerlegt werden. Woran erkennen Sie die drohende Energiekrise und wie begründen Sie die vermeintliche Unfähigkeit des Marktes auf den Verbrauch fossiler Rohstoffe zu reagieren? Ich lade Sie herzlich ein am 29.01.2008 in Berlin mit uns am IUF über dieses Thema zu diskutieren.

  3. Ich bin in der Tat nicht genügend auf die Argumente in Ihrem Artikel eingegangen, und möchte dies hiermit nachholen. Sie haben sich da mit drei Hauptargumenten beschäftigt, nämlich mit der Frage des Klimaschutzes, der Arbeitsplätze und der sicheren Enregieversorgung. Gerade beim erstgenannten stimme ich eindeutig zu. Allein schon einfache Gebäudedämmung bringt zum gleichen Preis erheblich mehr CO2-Einsparungen, als es die durch das EEG verursachten Maßnahmen erreichen konnten.

    Was es die Arbeitsplätze betrifft, da kann man geteilter Meinung sein. Ich vermute allerdings, dass wir national mittlerweile deutlich im Plus sind. De fakto geht mittlerweile ca. die Hälfte der deutschen Windräder ins Ausland, national haben wir also vermutlich im Saldo mehr Arbeitsplätze gewonnen als verloren. Aber ich gebe zu, dass die üblichen Milchmädchenrechnungen nicht ok sind. Man kann schließlich auch nicht einfach sagen: „Die Bundeswehr ist toll, weil sie an ihren Standorten so viele Arbeitsplätze schafft“. Jeder mit etwas mehr Restintelligenz weiß, dass so ein Argument extrem fischig ist.

    Kommen wir aber zur wirklich zentralen Frage, der Energieversorgung. Ja, Sie gehen darauf ein, aber so wie ich das sehe mit zwei ziemlich schwachen Argumenten. Das erste Argument lautet salopp gesagt: Die Märkte regeln das, sie preisen langfristige Veränderungen mit ein. Nun ja. Natürlich reagieren die Märkte auf Energieverknappung, zum Beispiel mit einer Verzehnfachung des Preises innerhalb einer Dekade. Das halte ich nicht für besonders gut gelungen, wenn eine weitreichende Änderung der Energieversorgung sehr, sehr positiv geschätzt eher 20 Jahre braucht. Experten der Energieversorger würden jetzt vermutlich schallend lachen, und mir sagen: „20 Jahre? Junge, denk mal lieber an 40 Jahre, dann liegst du halbwegs richtig!“. Eine Verzehnfachung eines Energieträgers in nur einer Dekade weist eben sehr wohl darauf hin, dass es nicht gut klappt. Genau so könnte ich sagen: „Hungersnöte sind kein Problem, die Märkte reagieren darauf, das Marktgleichgewicht wird später bei einem erhöhten Preis wieder gefunden, der zudem wieder sinkt, wenn genügend Menschen gestorben sind, und die Hungersnot vorbei ist“. Verstehen Sie? Es hilft uns nicht viel, wenn die Märkte mit einer weiteren Verzehnfachung der Preise reagieren, und wir absolut nichts in der Hand haben, um die Folgen abzuwehren! So ein Szenario darf gar nicht erst entstehen, so, wie wir eben keine Hungersnot zulassen dürften.

    Das mit den Märkten, die das alles sogar „langfristig vorausschauend“ gut regeln, halte ich also zumindest schon mal für stark zweifelhaft. „Langfristig“ müsste eigentlich mindestens 20, eher aber 40 Jahre bedeuten. Ich erwarte von keinem Markt auf der Welt, dass er das schafft, und bezweifele auch, dass das sein Job ist! Nur kann man dann nicht einfach sagen: „Alles paletti, der Markt macht’s!“

    Ihr zweites Argument lautete sinngemäß, dass die Angaben über verfügbare fossile Energieträgervorräte jährlich nach oben korrigiert werden. Tja. Das hilft aber nicht, solange diese Angaben nicht der Realität entsprechen. Haben Sie schon mal in Erwägung gezogen, dass die Erzeuger mit ihren angeblich vorhandenen nutzbaren Reserven einfach lügen könnten? Gründe gibt es genügend. Ich will gar nicht einem Fall wie Shell anfangen, bei dem die Firma bekannterweise im Jahr 2004 ihre verfügbaren Ölreserven viermal hintereinander nach deutlich unten korrigieren musste. Mir geht es eher um die Ölförderländer, die die Quellen, aus denen sie ihre angeblichen Energiereserven errechnen, teilweise wie Staatsgeheimnisse hüten.

    Nicht ohne Grund. Die OPEC macht beispielsweise die erlaubten Fördermengen pro Land von den noch vorhandenen Reserven ab. Saudi-Arabien hat vor einigen Jahren zum Beispiel seine offiziellen Reserven nach oben korrigiert, und zugleich auf Bitte der Amerikaner angekündigt, seine Fördermengen auszuweiten. Diese Zusage konnte nicht eingehalten werden. Alles spricht dafür, dass entgegen der offiziellen Angaben Saudi-Arabien den Oil Peak bereits überschritten hat. Dabei haben sich die Saudis durchaus Mühe gegeben. So wurde die jahrelang relativ konstante Anzahl der Bohrtürme von 2005 bis heute knapp verdreifacht, und trotzdem sank im gleichen Zeitraum die tägliche Förderung von ca. 9,5 Millionen Barrel auf ca. 8,7 Millionen Barrel täglich. Es werden auch kaum neue Raffinerien mehr gebaut, obwohl diese bei steigendem Ölbedarf und steigender Förderung eigentlich notwendig wären. Nicht jedoch notwendig sind solche Raffinerien, wenn es in Wahrheit kaum wahrscheinlich ist, dass noch deutlich mehr gefördert werden kann. Es gibt zur Problematik mittlerweile einiges Material. Der Wikipedia-Artikel zum Thema „Ölfördermaximum“ liefert einiges an gut recherchiertem Daten, bis hin zu den Aussagen der IEA selbst, die für 2010 die reelle Gefahr einer Ölknappheit sieht.
    http://de.wikipedia.org/wiki/%C3%96lf%C3%B6rdermaximum

    Es gibt weitere Gründe, skeptisch zu sein. Ölfelder zu suchen ist ein bisschen, wie Schiffe versenken. Die Großen findet man deutlich leichter als die Kleinen. Die generelle Wahrscheinlichkeit, auf weitere Giga-Ölfelder zu stoßen, ist also eher zweifelhafter Natur, weil eben diese Giga-Ölfelder meistens auch am einfachsten zu finden sind.

    Unter diesen Umständen finde ich persönlich Ihr zweites Argument „Laut Angaben der Erzeuger werden täglich genügend neue Reserven gefunden“ außerordentlich fragwürdig. Es mag sein, dass einige Förderländer nicht die Unwahrheit sagen, und dass einige der Reserven tatsächlich wirtschaftlich nutzbar sind (denn ein erneut verzehnfachter Rohölpreis, um extrem exotische Reserven zu erschließen, hilft in der Realität auch nicht wirklich weiter), aber insgesamt sieht es vermutlich nicht besonders rosig aus. Wenn man die Energiefrage als eine zentrale Sicherheitsfrage betrachtet, darf man sich nicht auf diese löchrigen Aussagen verlassen. Auch nicht auf einen Markt, in dem sich die Preise binnen 10 Jahren verzehnfachen. So schnell, wie wir bei solchen Preisentwicklungen umsteuern müssten, können wir nicht sein.

    Das letzte Argument, welches Sie nennen, ist im Kern vollkommen richtig. Die Sonne ist im Prinzip unerschöpflich. Das stimmt vollkommen, und ist auch der Grund, warum wir langfristig gar keine Probleme haben werden, unseren Energiebedarf locker zu decken. Nur müssen wir für den Übergang gerüstet sein. Es hilft uns wenig, wenn wir die Probleme langfristig gelöst bekommen, auf dem Weg dahin aber einmal einen Totalzusammenbruch unserer Wirtschaft erleben. Ich bin daher ziemlich froh, wenn wir mittlerweile 12 Prozent unseres nationalen Strombedarfs schon aus erneuerbaren Energien decken können.

    Gibt es weitere Argumente, die ich vielleicht übersehen habe? Wenn dem nicht so ist, halte ich meine im ersten Posting genannte Argumentation komplett aufrecht. Ich habe bisher kein funktionierendes Gegenargument gefunden.

  4. Vielen Dank für die Einladung übrigens. Wo finde ich genauere Informationen? (Der „mehr…“-Link von https://iufberlin.wordpress.com/aktuelle/ auf http://www.unternehmerische-freiheit.de/veranstaltungen/2290.php führt in ein sicherlich nicht erwünschtes Nirwana.)

  5. Arbeitsplatzargument: Die Arbeitsplätze die sie ansprechen sind allerdings nur die Bruttobeschäftigung, die vernachlässigt, dass die Ressourcen auch anderweitig eingestzt werden können und auch nicht berücksichtigen, dass durch die Aufbringung von Fördermitteln Arbeitsplätze verloren gehen. Ich empfehle ihnen daher sich die verlinkte Studie etwas genauer anzusehen. Die vom BMU regelmäßig veröffentlichten Zahlen entsprechen keiner gesamtwirtschaftlichen Nettobetrachtung. Die Märkte reagieren auf die Preissteigerungen nicht nur mit einer Preiserhöhung (wobei sie stehts berücksichtigen müssen, dass nicht die nominalen Preissteigerungen, sondern die realen Preissteigerungen in Relation zu anderen Produktpreisen entscheidend sind, damit sie die Inflationsrate berücksichtigen), sondern auch mit kostensenkenden Inovationen und der Suche nach Substituten, was auch erneuerbare Energieträger einschließt. Zudem interessieren eher die Preise für Energiedienstleistungen, denn das ist es worum es den Verbrauchern geht. Die Nutzung erneuerbarer Energieträger ist aber auf absehbare Zeit in vielen Fällen noch teurer als die von fossilen Energieträgern, auch wenn dort die Preise steigen. Ölprognosen können tatsächlich falsch sein, aber das ist irrelevant, weil der Preis des Öl sowohl die gegenwärtige, als auch die zukünftige Nachfrage nach Öl signalisiert. Nicht umsonst werden Rohstoffe an Börsen in langfristigen Zukunftskontrakten gehandelt, die den heutigen Preis beeinflussen und gleichzeitig für den Erwerber eine langfristige Preissicherheit bieten. Ihren Förderangaben wiederspricht der Link in einem anderen Eintrag hier über die geplante Exploration deutlich.
    Sie müssen schon konkret begründen, warum preisliche Anpassungen der Märkte und Innovationen der Anbieter und Nachfrager als Reaktion darauf nicht funktionieren. Bisher ist das leider nur die üblichen Floskel, er würde nicht funktionieren. Die Förderung erneuerbarer Energieträger führt ebenfalls zu hohen Kosten, die im Zweifel die Budgets der Menschen belasten und zu sozialen Härten führen können. Diese Argumentation ist daher nicht überzeugend. Sie glauben, dass eine Steuerung des Übergangs durch Subvention der richtige Weg ist und ignorieren dessen Kosten. Ich bin mir bewußt, dass dieser Übergang für einige Menschen Härten bedeutet, aber davon überzeugt, dass preisliche Signale jeweils die günstigsten Anpassungsmaßnahmen induzieren. Im übrigen sollte man nicht vergessen, dass hohe Ölpreise nicht allein auf ein geringeres Angebot, sondern eine hohe Nachfrage zurückzuführen sind, was aber nichts anderes bedeutet, dass die mit Öl produzierten Güter für die Nachfrager so wertvoll sind, dass sie diese Preise bezahlen wollen. Trotz steigender Ölpreise wächst die Weltwirtschaft, wovon wir alle profitieren, den die international produzierten Güter können hierzulande gekauft werden.

  6. Nun, es gibt schon Einiges, was meine Argumentation stützt. Beispiel: OK, Sie haben einen Link ausgegraben, wo Leute das alles ganz, ganz anders sehen, und wir angeblich bald ein fettes Plus in der Fördermenge haben werden. Eine Prognose also. Prognosen hab ich aber auch, und zwar unter anderem eben die der IEA. Was ich aber beschrieben habe, waren Fakten. Die der Rückgang der Ölförderung in Saudi-Arabien, bei einer Verdreifachung der Fördermenge, das ist ein knallharter Fakt. Keine Prognose. Die Tatsache, dass kaum neue Raffinerien gebaut werden – ein weiterer Fakt. Die Verzehnfachung des Ölpreises ist ebenfalls ein Fakt. Warum bitte sehr diese Verzehnfachung, wenn es a) weiterhin genügend Öl gibt, und b) die Märkte auch langfristig so toll funktionieren, dass sie das alles vollkommen vorausschauend abbilden?

    Klar kann man bezüglich der Zukunft unterschiedlicher Auffassung sein. Nur können Sie nicht einfach behaupten, es gäbe da ein paar gute Prognosen, und somit sei alles in Butter, und die Lage geklärt. Das ist sie nämlich nicht. Zugegeben, auch ich kann nicht garantieren, dass meine Prognosen wirklich stimmen. Aber hier habe ich jetzt gewissermaßen einen etwas unfairen, aber realen Vorteil auf meiner Seite: Alleine die Tatsache, dass die Lage unklar ist, rechtfertigt eine Reaktion wie beim EEG. Genau das ist der Sinn einer Risikovorsorge in einem so fundamental bedeutsamen Bereich. Das mag Ihnen nicht passen, aber so lauten die Spielregeln, in all solchen Bereichen.

    Ich zum Beispiel bin der Ansicht, dass wir eigentlich gar keine Armee mehr bräuchten. In solchen Schicksalsfragen geht es aber eben darum, bei einer unklaren Lage die Investitionen so zu tätigen, dass man im Falle eines Falles auf der sicheren Seite steht. Genau dieses Prinzip gilt aber auch für den Energiebereich. Die Subventionen des EEG sind im Vergleich zum Nutzen im Ernstfall durchaus berechtigt.

    Was es ihr Arbeitsplatzargument betrifft, so muss man die Kosten gegenrechnen, klar. Tatsache ist aber, dass ca. die Hälfte der Windräder mittlerweile in den Export geht, und so etwas können Sie bei der nationalen Betrachtung nicht einfach kommentarlos vom Tisch wischen. Wenn Ihnen wirklich nicht klar ist, warum das relevant ist, stellen Sie sich doch bitte mal kurz eine Situation vor, in der 100% der Windräder in den Export gingen. Es gibt ja wohlgemerkt keine direkten Subventionen des Herstellungsprozesses selbst, sondern nur von Windrädern, die auch hierzulande errichtet werden. Auch mir ist klar, dass wir nicht einfach naiv eine Milchmädchenrechnung aufmachen können, in der wir nur die Arbeitsplätze der Windbranche anschauen, ohne die Kosten zu betrachten. Deswegen möchte ich diesen Punkt auch gar nicht so stark strapazieren. Aber auf der Gegenseite bei diesen Exportquoten einfach per se weiterhin von einem eher negativen nationalen Beschäftigungseffekt ausgehen zu wollen, das halte ich einfach für unzulässig und nicht hinreichend stark von Fakten gedeckt.

    > Sie müssen schon konkret begründen,
    > warum preisliche Anpassungen der
    > Märkte und Innovationen der Anbieter
    > und Nachfrager als Reaktion darauf
    > nicht funktionieren. Bisher ist das leider
    > nur die üblichen Floskel, er würde nicht
    > funktionieren.

    Tja, dann sagen Sie doch mal, was in Ihrem Sinne „Funktionieren“ überhaupt bedeutet. Ich wiederhole es gerne, ich bezweifele nicht eine Sekunde lang, dass der Marktmechanismus im Falle einer Hungersnot auch ganz prima funktioniert. Dann bekommen diejenigen, die es sich leisten können, immer noch genügend Essen, zu einem gewissen Grad schränken sich die Leute auch mehr ein, weil die Preissignale Ihnen das gebieten, und wer es sich nicht leisten kann, scheidet aufgrund Hungertodes eben aus dem Markt aus. Und wenn genügend Leute ausgeschieden sind, kann das Preisniveau sogar wieder sinken. In so einer Situation hat der Marktmechanismus jede einzelne Sekunde ganz hervorragend funktioniert, die Nachfrager haben ihren Verbrauch an die neue Situation angepasst, die Anbieter sicher auch nach weiteren verwertbaren Lebensmitteln gesucht, und so weiter und so fort. Sie sehen, je nachdem, wie man „funktionieren“ definiert, kann auch ich nicht behaupten, dass es nicht funktioniert. Also, was verstehen Sie in diesem Fall überhaupt unter dem Begriff „funktionieren“? Oder soll ich es einfach mal definieren, und dann erklären, woher meine Sorge kommt? Können wir beides machen.

    Übrigens, Stichwort „funktionieren“: Der von mir genannte Link ins Nirvana scheint wieder zu funktionieren.

  7. Korrektur:

    > Die der Rückgang der Ölförderung in
    > Saudi-Arabien, bei einer Verdreifachung
    > der Fördermenge, das ist ein knallharter Fakt.

    Sollte natürlich „der Bohrtürme“ heißen.

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s