Rauchfreiheit?

Das derzeit umgesetzte Rauchverbot wird von vielen als Triumph des Nichtraucherschutzes gefeiert. Tatsächlich wird für einen nahezu nicht spürbaren Gesundheitsgewinn der Nichtraucher die individuelle und unternehmerische Freiheit vieler Menschen geopfert.

Befürworter von Rauchverboten zitieren gern Studien, die eine Erhöhung des Lungenkrebsrisikos für Nichtraucher um 30 % durch Passivrauchen ermittelten. Das klingt zunächst gewaltig, sollte aber in Relation zum eigentlichen Risiko eines Nichtrauchers an Lungenkrebs zu sterben gesetzt werden. Nach Veröffentlichungen des Bundesamtes für Strahlenschutz beträgt die Wahrscheinlichkeit für einen Nichtraucher bis zum 75. Lebensjahr an Lungenkrebs zu sterben je nach (offenbar recht einflußreicher aber für diese Betrachtung irrelevanter) Radonkonzentration der Innenraumluft zwischen 0,41 % und 0,93 % (4 bis 9 Todesfälle je 1000 Nichtraucher). Ausgehend von diesem Hintergrundrisiko erhöht sich die Wahrscheinlichkeit für einen Nichtraucher durch Passivrauchen an Lungenkrebs zu sterben also um 30 % auf 0,53 % bzw. 1,2 %, also 5 bis 12 Todesfälle pro 1000 Nichtraucher (Bei einer durchschnittlichen Radonkonzentration in deutschen Wohnungen von 47 bq/m3 sollte die normale Lungenkrebsinzidenz eigentlich zwischen 4,1 bis 4,7 Todesfällen pro 1000 Nichtrauchern liegen). Bei durchschnittlicher Innenraumluftqualität steigt also das Lungenkrebsrisiko für Nichtraucher um 0,12 bis 0,14 Prozentpunkte. Großzügig gerechnet kommen also auf 1000 Nichtraucher 1,5 zusätzliche Todesfälle durch passives Rauchen. Der Leser mag selbst entscheiden, ob angesichts dieser Zahlen Aufwand und Wirkungsweise von Rauchverboten in einem gesunden Verhältnis zueinander stehen.

Aus ordnungspolitischer Perspektive stellt sich das Rauchverbot als ein nicht zu rechtfertigender Eingriff in die persönliche und unternehmerische Freiheit dar. Raucher sind eigenverantwortliche Individuen, denen umfängliche Informationen über das selbstgewählte Risiko des Rauchens zur Verfügung stehen. Ihr Schutz sollte daher nicht im Verantwortungsbereich staatlichen Handelns liegen. Auch Nichtraucher sind in der Lage sich das ihrer Gesundheit zuträgliche Umfeld zu suchen. Schalten sie dazu den Staat ein, ist dies nichts anderes als ein Versuch die Kosten dieser Risikominimierung auf andere abzuwälzen. Zudem kann in privaten Schankräumen keine Rede von externen Effekten, also Marktversagen, durch Raucher sein. Da dieses Marktversagen sich negativ auf die Gewinnsituation des Wirtes auswirken würde, hätte er jedes Interesse, dass für seine Kunden und damit Gewinne optimale Niveau der Rauchbelastung in seinen Schankräumen zu finden. Die Restaurantbesucher selbst können vor dem Eintritt in eine Gaststätte entscheiden, ob sie sich einem gesundheitlichen Zusatzrisiko durch Tabakrauch aussetzen möchten. Thomas Lamberts hat in dem Aufsatz The Case Against Smoking Bans die üblichen Argumente für Rauchverbote in privaten Räumen einer intensiven Kritik unterzogen und dabei kaum Substanzielles gefunden.

Es bleibt abzuwarten, ob das Rauchverbot die Versprechen seiner Protagonisten erfüllt und nachweislich zu einer Reduzierung der mit Tabakrauch assoziierten Krankheiten führt. Die Wohlfahrtsverluste, die durch eine Anpassung an das Rauchverbot oder seine Umgehung entstehen, sind weder unmittelbar sichtbar, noch lassen sie sich leicht quantifizieren. Dennoch existieren sie. Beispielsweise hat sich in amerikanischen Zigaretten seit der Einführung des Rauchverbots der Nikotingehalt erhöht. Auch erlauben sie mehr Züge als vorher. Und ganz nebenbei: Wussten sie, dass deutsche Tabak-Bauern jährlich ca. 150 Millionen Euro aus EU-Subventionstöpfen erhalten? Es gilt also Wichtigeres abzuschaffen, als das Rauchen in privaten Kneipen.

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