Tagesarchiv: Montag, 15 Dezember, 2008

Schizonomics

Seit Jahr und Tag predigt die Bundesregierung den Unternehmen Ressourcen zu sparen. Normalerweise rennt sie bei Unternehmen damit offene Türen ein, werden doch durch einen effizienten Einsatz von Produktionsfaktoren mitunter beachtliche Kosten eingespart, was sich positiv auf die Rentabilität der Wirtschaft auswirkt. Rohstoff und Energie können für die Bundesregierung gar nicht genug eingespart werden, ist sie doch der Ansicht, dass bringe die Unternehmen und die Gesellschaft in eine Win-Win-Situation. Doch geht es um den Faktor Arbeit, der ebenso Kosten verursacht und nebenbei auch recht viel Energie verfuttert, da sieht die Sache plötzlich ganz anders aus. So mussten sich deutsche Unternehmen diesbezüglich fürs kommende Jahr zur Verschwendung verpflichten, einigte man sich doch auf einen Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen. Ganz abgesehen davon, dass so eine Verpflichtung pure Augenwischerei ist, weil die wirtschaftlichen Konsequenzen mangelnder unternehmerischer Flexibilität im Umgang mit ihren Produktionsfaktoren mit Sicherheit auf eher indirektem Wege eintreten werden, macht die schizophrene Logik, dass Sparsamkeit nur für einen Teil der Produktionsfaktoren gut sein soll, wirklich keinen Sinn.

Nützliche Analogie

Für einen Vortrag zum Thema Chancengerechtigkeit und Liberalismus in der Theodor-Heuss-Akademie in Gummersbach habe ich in den letzten Tagen mal wieder in Steven E. Landsburgs Klassiker “Fair Play” geblättert. Das Buch ist und bleibt eine Goldgrube für ökonomische Logik und die erschreckende Fülle der Doppelmoral im privaten und politischen Alltag:

The battle against  progressive taxation will never be won by timorous politicians who argue-no matter how correctly-that high marginal tax rates retard economic growth and limit opportunities for the poor and the middle class. It will be won, if at all, as the long-run battle against slavery was won-by men and women with the insight and the courage to declare in public that progressive taxation is wrong. If people can learn to feel squeamish about stealing from a liquor store, they can learn to feel squeamisch about taxing “the rich”.

Dem gibt es nichts hinzuzufügen.