Tagesarchiv: Samstag, 20 September, 2008

Verreguliert

Professor Ekkehard Wenger in einem Interview über den nur scheinbaren Segen der Bankenaufsicht:

Drehen wir die Uhr hundert Jahre zurück – damals gab es auch keine Bankenaufsicht und die Banken haben dennoch existiert. Das Fehlen der Aufsicht hatte zur Konsequenz, dass die Banken sehr viel vorsichtiger sein mussten, sonst waren sie weg vom Fenster. Das hat sich darin ausgedrückt, dass die Eigenkapitalquoten der Banken damals sehr viel höher waren als sie es heute sind. Mit Aufsicht und dem ganzem Regularium sind die Eigenkapitalquoten niedriger und das System anfälliger als es ohne Aufsicht wäre…

Die Aufsicht und die Einhaltung der entsprechenden Regeln haben dazu geführt, dass sich die Leute entlastet fühlen und nicht mehr über die Frage nachdenken, was betriebswirtschaftlich vertretbar und sinnvoll ist. Die Umstellung der Aufsichtsregeln im Zusammenhang mit Kreditzusagen zeigt dies deutlich. Hier ist nach neuem Recht eine Eigenkapital-Unterlegung nötig, nach altem Recht war das in der Regel nicht so. Das hat dazu geführt, dass die IKB Kreditzusagen in unverantwortlicher Höhe gemacht hat. Man hat sich lediglich die Frage gestellt, ob man in Einklang mit den Aufsichtsregeln handelt, anstatt zu überlegen, ob man betriebswirtschaftlich vernünftig handelt. Die Regeln, die entlasten sollen, hatten den gegenteiligen Effekt.