Tagesarchiv: Samstag, 2 August, 2008

Wenn Ideologie blind macht

Paul Krugmans New York Times Kolumnen sind ein schönes Beispiel für die horizonteinschränkende Wirkung einer ideologischen Parteinahme, die viele Zeitgenossen davon abhält ihre Argumente an Qualitätskriterien zu messen, die ihnen im persönlichen und beruflichen Alltag eigentlich selbstverständlich sein sollten.

Besorgt über den ökologischen Zustand der Welt vergisst Krugman nicht nur grundsätzliche Erkenntnisse seines eigenen Berufsstandes, sondern er greift auch zur beliebten Moralkeule, mit der man gern versucht Gegner ins argumentative Abseits zu stellen.

So behauptet er etwa, dass die Lockerung der Restriktionen zur Exploration von Ölfeldern in Alaska (ANWR) keinerlei Wirkungen auf den heutigen Ölpreis entfalten würden:

A McCain campaign ad says that gas prices are high right now because “some in Washington are still saying no to drilling in America.” That’s just plain dishonest: the U.S. government’s own Energy Information Administration says that removing restrictions on offshore drilling wouldn’t lead to any additional domestic oil production until 2017, and that even at its peak the extra production would have an “insignificant” impact on oil prices.

Als Ökonom, der sich mit den grundlegenden ressourcenökonomischen Arbeiten von Harold Hotelling auskennen sollte, müsste er wissen, dass Informationen über eine zukünftige Angebotserhöhung von Öl die Opportunitätskosten einer heutigen Nutzung, folglich die Grenzkosten ihrer Produktion senken, das Angebot erhöhen und damit den Preis schon heute reduzieren. Dabei spielt es nur eine untergeordnete Rolle, ob die zusätzlichen Ölquellen bereits morgen oder erst in zehn Jahren sprudeln. Wichtig sind allein die Information über die verfügbare Menge und zu erwartenden Förderkosten. Schließlich reduziert jede zusätzliche Menge Öl die heute gefunden und morgen gefördert werden kann den Wert des in den heute bereits bekannten Lagerstätten.

Bedauernswert sind ist auch die Drohkulisse gegenüber skeptischen Stimmen in der Klimapolitik:

The only way we’re going to get action, I’d suggest, is if those who stand in the way of action come to be perceived as not just wrong but immoral.

Nichts ist einfacher als Kritik mit dem Verweis auf egoistische Motive und unmoralisches Verhalten mundtot zu machen. Ein simples Gaubensbekenntnis wird über den Austausch von Argumenten gestellt. Wer sich an den vermeintlich niederen Motiven seiner plitischen Gegner abarbeitet, hofft offenbar darauf sich nicht mehr mit deren Argumenten abgeben zu müssen. Das mag den Lesern entgegenkommen, die ohnehin nur die Bestätigung ihrer eigenen politischen Vorurteile erwarten. Für die langfristige Glaubwürdigkeit der eigenen Position ist es ein Eigentor.