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Bastiatsche Kompensation

Freitag, 18 Januar, 2008 · 4 Kommentare

Noch ein Wort zum Nokia-Fall und den Anspruch der Betroffenen auf Entschädigung. Viele reden davon, dass es eine moralische Pflicht zur Kompensation der temporären Verlierer der Globalisierung gibt. Doch das sind in der Regel nur Lippenbekenntnisse, die niemand im Alltag in die Tat umsetzt. Vielmehr stürzt sich jeder wie verrückt auf eine Gelegenheit das Preis-Leistungs-Verhältnis seines Konsums zu erhöhen.

Aber wenn tatsächlich eine moralische Verpflichtung zur Entschädigung der Verlierer der Globalisierung existierte, dann müsste es auch eine moralische Verpflichtung gegenüber den Verlierern einer verhinderten Globalisierung geben. Wer entschädigt aber den ausländischen Arbeiter, der durch Protektionismus keinen Job bekommt, wer den deutschen Konsumenten, der weniger und teure Güter konsumieren muss? Wer hat das jemals in Erwägung gezogen?

Wer sagt, dass nur sichtbares und damit pressetaugliches Leid kompensiert werden muss, Bastiats verlorene Optionen aber unberücksichtigt bleiben dürfen? Das Dilemma dieser Moralvorstellung ist nicht nur, dass die Nutznießer des Protektionismus nicht in der Lage wären alle potentiellen Gewinner von Freihandel für ihre verlorenen Chancen zu kompensieren. Schließlich ist Handel ein Positivsummenspiel. Traurig ist auch, dass der von Kahneman u.a. untersuchte sog. Endowment-Effect, nachdem wir Verluste höher bewerten als finanziell gleich hohe entgangene Gewinne, auch unser moralisches Denken befällt und wir zu oft Fakten und Optionen in irrationaler Weise unterschiedlich behandelt. Das musste mal gesagt werden.

Kategorien: Globalisierung · Wirtschaftspolitik

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